Bo und der Weihnachtsstern – Filmkritik

(3 / 5)

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Regisseur/in: Timothy Reckart

Genre: Animation, Familienfilm

Produktionsland: USA

Kinostart: 07. Dezember 2017

Laufzeit: 1 Std. 27 Min.

Die Geschichte der Geburt Christi einmal auf supermodern – das war wohl die Absicht des christlichen Spielfilm-Debütanten Timothy Reckart bei „Bo und der Weihnachtsstern“. Das Setting wirkt auf jeden Fall frisch – wenn auch nicht über alle Maßen ausgefallen. Die Protagonisten sind, da zur Zeit im Kinderfilm besonders beliebt, wieder einmal Tiere. Spezifischer: Ein Esel namens Bo der, wie wir nun erfahren haben, anscheinend maßgeblich beim Gelingen von Marias und Josefs mühsamer Reise nach Bethlehem beteiligt war. 😉

Der junge Esel Bo (Steven Yeun) möchte endlich der eintönigen Dorfmühlen-Arbeit entfliehen. Eine Tages schließlich gelingt der Ausriss und gemeinsam mit seinem besten Freund Dave (Keegan-Michael Key), einer Taube, macht er sich auf den Weg, dem mysteriösen neuen Stern am Himmel auf den Grund zu gehen. Unter anderem die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef, sowie das Schaf Ruth (Aidy Bryant), laufen ihnen dabei immer wieder über den Weg…

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Zunächst einmal ist das Abenteuer schön animiert. Mit viel Herz bei der Gestaltung, aber ohne Geschnörkel und mit einigen tollen Kamerafahrten und -einstellungen wird der Zuschauer durchgehend bei Laune gehalten. Die Main-Story ist allgemein natürlich nichts neues, wird aber interessant ausgefüllt – liebevoll und spannend zugleich. Außerdem wirkt die kumpelhafte Beziehung zwischen Bo und Dave sehr realistisch – zeitweise sogar berührend. Da ist den Autoren tatsächlich etwas ganz Besonderes gelungen. Umso mehr Tiere sich allerdings in die Handlung einschleichen, desto offensichtlicher wird dann doch die immer selben Figurenkonstellationen. Bei im Endeffekt drei bis vier unterschiedlichen parallelen Handlungssträngen wird das Konzept „Ein intelligentes, ein dümmliches und (meistens noch) ein charakterloses weibliches Tier“ zu oft wiederholt. Da bleibt die Frage im Raum, warum man sich überhaupt dazu entschieden hat, das Geschehen mit so ungewöhnlich vielen Charakteren zu überfrachten.

Dafür zünden die meisten der harmlosen Gags und bereichern die federleichte Stimmung ungemein. Einige ernsthaftere Sequenzen wirken dagegen fast wieder zu böse, wenn nicht sogar kaltblütig. Im Prinzip ist allein schon das generelle Handlungsgerüst, die stetige Flucht vor dem Tod (sogar ganz unmissverständlich vor Kindsmord), für eine FSK ab 0 fragwürdig. Bauchschmerzen bereitet ebenfalls die bedenkenlos inszenierte, explizite Darstellung von religiösen Erscheinungen. Das ist dann doch ein wenig zu sehr aufs Auge gedrückt. Die Musik kommt indes äußerst generisch, beinahe triefend kitschig daher. Warum die offensichtliche Gelegenheit für zeitgetreue, außergewöhnliche Klänge hierbei nicht genutzt wurde, bleibt unverständlich.

© 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ein absolut konstruiertes Dramentief bleibt zudem auch nicht die einzige dramaturgische Schwäche des Films. Es wirkt, als sei mehrfach am Drehbuch hantiert worden. So oft, dass der eigentliche Protagonist Bo im Endeffekt als völlig belanglose Figur dasteht. Letztlich hat Bo ironischerweise mehr Schlechtes als Rechtes für die restlichen Figuren herbeigeführt und die Geburt wäre auf jeden Fall auch ohne ihn zustande gekommen. Eigentlich eine traurige Prämisse – die aber glücklicherweise für die Kinder leicht zu übersehen sein wird.

Fazit: „Bo und der Weihnachtsstern“ ist ein netter Film, der definitiv nichts verbrochen hat und bisweilen sogar wunderbar unterhält. Besonders gelungen ist dabei die rührende Freundschaft zwischen den beiden Hauptakteuren Bo und Dave. Getrübt wird das Gesamtbild allerdings von einer zu aufdringlichen Christlichkeit und einigen dramaturgischen Faulheiten.

(3 / 5)