„fame, fans und follower“ oder Selbstachtung – „Blitzlichter“ im Hofspielhaus (Kritik)

Am Abend des 19. April 2018 hatte „Blitzlichter“, das satirische Theaterstück von Moses Wolff, im Hofspielhaus seine Premiere. Nach einer kleinen, sympathischen Begrüßung  von Intendantin Christiane Brammer erklimmt Gitarrenmusik und Lichter geben den Blick frei.

© Verena Mittermeier

Zwei Models sitzen im Warteraum. Sie warten auf ihren Aufruf für das Vorsprechen bei der Agentur „Match & Success“. Isi und Bella sind zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein können. Die eine prüde und naiv, die andere abgebrüht und berechnend. Aber beide träumen sie denselben Traum von einer erfolgreichen Schauspielkarriere.

Auf einem goldenen Bücherthron beherrscht Kim, die Chefin der Agentur (gespielt von Sandra Seefried) die Szenerie. Moses Wolff inszeniert sich selbst auf die wohl kleinste Bühne Münchens und mimt den Modelcoach. Mit Sprüchen wie „Prinzessin, zeig deine Beine. Du bist die Show!“ verspricht die Agentur: „fame, fans und follower“.

© Verena Mittermeier

Doch es verläuft anders, als sich die beiden „girls“ das vorgestellt haben. Mit völlig absurden Schauspielübungen, sexueller Belästigung und hohen Agenturgebühren versuchen sie, die Macht über Isi und Bella zu erhalten. Von der Chefin mit Halsbändern markiert und zu kleinen Schoßhündchen degradiert, verlieren die zwei Mädchen jegliche Selbstkontrolle. Sandra Julia Reils gibt die verführerische Bella. Diese benutzt Isi, gespielt von Luiza Weiß, als Ventil, um ihre angestauten Aggressionen loszuwerden. Es entwickelt sich ein Kreislauf der Gewalt und Sexualität. Nur an minderwertige Projekte vermietet, werden die Models systematisch verheizt. Das zynische Spiel der Agentur treibt sein Unwesen.

Der Zuschauer wird zurückgelassen mit der Frage, wie viel Wahrheit wohl in jedem überspitzten Witz steckt. Und ob Heidi Klum vielleicht auch in so mancher Drehpause in perfektem Schwaben-Dialekt , Hyaluronmaske im Gesicht, über ihre Models lästert und Belohnungsleckerli verteilt.

Kritik: Carolina Felberbaum