Unbroken – Beyond The Black im Backstage (Konzertbericht)

Symphonic Metal boomt wie eh und je. Nightwish, ihres Zeichens die weltweit größten Vertreter des Genres, füllen dieses Jahr unlängst die Olympiahalle, selbst die jahrelang untergetauchten Within Temptation melden sich 2018 zurück. Auch aus Deutschland gibt es viel neuen, kreativen Output – allen voran von Beyond The Black, dem Projekt von Sängerin Jennifer Haben. In den letzten Jahre legte die in der Besetzung des Öfteren wechselnde Band eine wahnsinnige Karriere hin, die Ende August im Release des dritten Albums „Heart Of The Hurricane“ mündete – ein guter Grund also, auf kleine Release-Tour zu gehen. Tourstart dabei ist nirgendwo anders als am 20. September 2018 im Backstage Werk München.

Nicht wie angekündigt um 20 Uhr, sondern bereits um 19:30 Uhr legen allerdings schon die Opener des Abends los: Serenity. Die heute einzige Band mit männlichen Vocals weiß letztendlich vor allem damit restlos zu überzeugen, denn stimmlich ist Frontmann Georg Neuhauser dem Großteil seiner Genre-Kollegen haushoch überlegen. Die Spielfreude an sich ist groß, die musikalischen Fertigkeiten werden voll ausgekostet und musikalisch erinnert das an einen wilden Mix aus Power und Symphonic Metal. Im beeindruckenden „Spirit In The Flash“ können sogar kleine Vergleiche mit etwas Seefahrer-Metal nicht abgestritten werden – das macht den Sound durchgehend erfrischend. Ein perfekter Auftakt, der um 20 Uhr sein Ende findet.

Überraschend voll ist das Werk bereits um diese Uhrzeit, wenngleich auch einige Besucher erst zum eigentlichen Beginn erscheinen und etwas verärgert bemerken, dass sie die erste Band schon verpasst haben. Immerhin zu Follow The Cipher kommen fast alle pünktlich, denn um 20:20 Uhr starten sie mit „Enter The Cipher“ ihr Set. Wieso allerdings genau die im Gegensatz zu Serenity bei Weitem unbekannteren Schweden den zweiten Support-Posten bekommen haben, bleibt unschlüssig. Musikalisch bewegen sich die Musikerinnen und Musiker im soliden Modern Heavy Metal, der Symphonic-Einschlag ist ein bisschen geringer, dafür die Gitarren dementsprechend lauter. Am lautesten ist aber natürlich durchgehend die Stimme von Frontfrau Lina; leider schafft sie es live nicht, die auf dem Album unglaublich hohen Töne zu treffen. Allgemein wirkt ihre Stimme weniger umwerfend wie auf der Studio-Aufnahme, ziemlich schroff und rau klingt es am hiesigen Abend. Dennoch ein solides 35-Minuten-Set, das anschließend wirklich auf den Hauptact hoffen lässt.

Dieser lässt sich mit dem Umbau noch ein wenig Zeit, bevor um 21:30 Uhr das Intro ertönt. Ein routiniertes Musiker-Einlaufen später donnern die Gitarren bereits zu „Heart Of The Hurricane“ und „Hysteria“ durch das Werk. Beyond The Black sind, trotz der noch nicht allzu langen Neubesetzung, ein eingespieltes Team, man merkt sichtlich den Festival-Sommer, der allen ordentliche Routine einbringt. Selbst die Live-Premieren wie „Beneath A Blackened Sky“ wirken wie bereits tausendmal gespielt. Es ist keine unangenehme Routine, die in Lustlosigkeit mündet – letztendlich nur eine musikalische Vertrauensbasis der Musiker. Allein diese Tatsache lässt die Band durchgehend, wie es eben im Rahmen der Musik möglich ist, auf höchstem Niveau agieren. Top!

Im Fokus natürlich ungebrochen: Sängerin Jennifer Haben. Die Frontfrau hat fraglos die Zügel in der Hand, gilt nicht nur als Präsentatorin der Band, sondern sehr wohl auch als Fädenzieherin. Gewissermaßen ist Beyond The Black ein Solo-Projekt: Haben schreibt alle Lieder, stellt sich ihre Band zusammen und treibt alles rundherum an. Das kann kritisch gesehen werden, das Resultat ist aber jedes Mal wieder respektabel: drei Alben, die mit gekonnten Songwriting radiotaugliche Rock- und Metal-Nummern hervorbrachten, die weder die harten Riffs vernachlässigen noch die unabdingbaren Ohrwürmer. Mittendrin die Stimme von Sängerin Haben, die auch live absolut überzeugen konnte. Hohe Töne sind kein Hindernis, selbst die neuesten Lieder funktionieren bestens und versingen ist für die Frontfrau keine Option – alles sitzt perfekt.

Wenngleich das rund 100-minütige Set kaum Wünsche offen lässt, bleiben kleine Kritikpunkte dennoch zurück. Bei einer Band, die nun doch schon seit 2014 aktiv und ununterbrochen auftritt, wären etwas weniger unbeholfene Ansagen schön gewesen – Gitarrist Christian Hermsdörfer ist da schon etwas gekonnter mit gewitzten Bemerkungen. Dieser wiederum kann zwar an der Gitarre absolut überzeugen, aber wiederum mit gutturalem Gesang absolut nicht punkten – die Screams sind technisch eher fragwürdig und ziehen die übrige, musikalische Leistung etwas herunter. Im Clean-Gesang aber gefällt er absolut, wie zu Beginn von „Million Lightyears“ zu hören. Insgesamt kann man sich aber kaum beschweren, gibt es doch ein wunderbares Symphonic und Power Metal-Package zu hören, das vom Headliner Beyond The Black nicht nur auf der Position des Posters, sondern auch in puncto Performance und musikalischer Leistung angeführt wird.

Wer es übrigens nicht mehr erwarten kann, Jennifer Haben und ihre Truppe wieder live zu erleben: am 17. Dezember supporten sie Within Temptation im Zenith. Gutes Package? Oh ja!

Setlist: Heart Of The Hurricane / Hysteria / Songs Of Love And Death / Written In Blood / Fall Into The Flames / My God Is Dead / Burning In Flames / Song For The Godless / Forget My Name / When Angels Fall / Unbroken / Million Lightyears / Beyond The Mirror / Beneath A Blackened Sky / Lost In Forever / Shine And Shade / HallelujahZugaben: In The Shadows / Running To The Edge

Bericht: Ludwig Stadler