Best I Can – Queensryche in der Backstage Halle (Konzertbericht)

Seit nunmehr 36 Jahren mischen Queensryche die Metalszene auf. Zuletzt machte die Gruppe jedoch nicht immer mit positiven Meldungen von sich hören: aufgrund von internen Differenzen trennten sie sich 2012 von Sänger und Gründungsmitglied Geoff Tate, worauf ein unschöner Rechtsstreit um Namen und Werke der Band folgte. Der nun freie Sängerposten wurde von Todd La Torre gefüllt, der zuvor bei Crimson Glory tätig war. Viele sahen in Geoff Tate das Gesicht der Band und trauten der Band nach der Trennung nicht mehr viel zu, trotzdem wollten sich am 27.06.2017 bei ihrem Konzert im Münchner Backstage einige hundert Leute vom Gegenteil überzeugen.

Den Abend eröffneten gegen 20 Uhr die italienischen Modern-Rocker von Methodica. Mit ihrer Mischung aus Synth , Progressive und sogar ein wenig Djent, gepaart mit einer starken Gesangsleistung, konnten sie viele der alteingesessenen Queensryche-Fans schon zu Beginn in die gefühlt 50 Grad heiße Halle locken. Mit einem flüssigen Live-Konzept und einer sichtbaren Spielfreude ein würdiger Support, der definitiv Lust auf mehr gemacht hat. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Band sehr gut in den Abend passte und trotzdem viele Fans den Vorbands absolut keine Aufmerksamkeit schenkten, in diesem Fall ihr eigener Verlust. Daher war das einzige Manko, dass die Halle bisher trotz guter musikalischer Beschallung nur spärlich gefüllt war.

Setlist: A Trick / Destruction Of Idols / J. / The Angel Lies Dying / The Lord Of Empty Spaces

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Das wiederum änderte sich zu Beginn der Queensryche-Show. Die Backstage Halle füllte sich recht schnell und zum Opener „Guardian“ wurden schon die ersten Passagen mitgeträllert. Wer tatsächlich denkt, die Band hätte mit dem Ausstieg von Tate einen irreversiblen Schaden erlitten, der liegt mehr als falsch. Vom ersten Song an überzeugten die phänomenalen Vokalleistungen von La Torre auf ganzer Linie. Dieser Neuzugang war für die Band ein wahrer Segen und definitiv eine Verstärkung. Spätestens zu „Operation: Mindcrime“ war die Halle dann trotz des für die Lokalität recht ungewöhnlich hohen Eintrittspreises prall gefüllt. Darauf folgte dann eine Best-Of-Setlist mit Allem, was das Heavy-Metal-Herz erfüllt. Die Halle wurde immer heißer und der ein oder andere Besucher war froh, als nach vier weiteren, harten Metal-Nummern mit „Silent Lucidity“ endlich eine Ballade, und vor allem einer der größten Hits der Band, als Verschnaufpause angestimmt wurde. Mit „I Don’t Believe in Love“ und „Empire“ folgten darauf wieder ordentliche Mitsing-Nummern. Spätestens jetzt ist auch für den letzten in der Halle Geoff Tate Vergangenheit. Mit „Queen Of The Reich“, meiner persönlichen Lieblingsnummer der Gruppe, brachte man ein absolutes Highlight.  Nach zwei weiteren Nummern war dann überraschenderweise schon Zeit für die Zugabe. Diese konnte sich aber sehen lassen: neben drei Hits kam, ein weiteres absolutes Highlight, „Eyes Of A Stranger“. Spielfreude pur, die vom gut partizipierenden Publikum mehr als gewürdigt wurde. Leider war dann aber auch wirklich schon Schluss; 75 Minuten Vollgas haben der Menge aber scheinbar gänzlich gereicht.

Setlist: Guardian / Operation: Mindcrime / Best I Can / Damaged / The Killing Words / The Mission / Silent Lucidity / I Don’t Believe In Love / Empire / Queen Of The Reich / Jet City Woman / Take Hold The FlameZugabe: Anarchy-X / Revolution Calling / Screaming In Digital / Eyes Of A Stranger

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Fazit: Die Backstage Halle bleibt, trotz des oft schlechten Lichts und der geringen Luftzufuhr, eine der besten Locations für Konzerte in München. Den ganzen Abend über gab es einen gut ausgemischten Sound und ein alles in allem gelungener Konzerttag. Normalerweise wäre das jetzt der Zeitpunkt, sich über die nicht ganz so lange Spielzeit bei einem verhältnismäßig hohen Ticketpreis auszulassen, aber der gestrige Abend beweist: in der Kürze liegt die Würze; und die Show ließ kaum Wünsche offen. Selbst als eingefleischter Metal-Veteran hatte ich Queensryche nie ganz auf dem Schirm. Für mich war die Band immer eine von Vielen. Ich durfte mich aber glücklicherweise gestern eines Besseren belehren lassen. Es sei jedem ans Herz gelegt, die Band weiter zu verfolgen!

Bericht: Luka Schwarzlose
Fotos: Ingo Höchsmann