40 Degrees – Beatsteaks im Zenith (Bericht)

Es ist der 10.04.2018, ein Dienstagabend, 19 Uhr und das Ende eines schönen Frühlingstages in München. Das Zenith, die im Norden der Stadt gelegene Location, füllt sich langsam. Die Veranstaltung ist zwar nicht ausverkauft, aber sehr gut besucht. Ein Bier und ein gekauftes T-Shirt später bereite ich mich innerlich auf zwei großartige deutsche Bands vor. Turbostaat wollte ich schon immer mal sehen. Die Flensburger sind leider nur der Support und werden wohl nicht so lange spielen. Doch der Mainact ist auch nicht zu verachten – ich freue mich auf mein neuntes Mal mit den einzigartigen Beatsteaks, diese Band begleitet mich musikalisch seit mehr als 15 Jahren.

Pünktlich um 20:00 betritt die Vorband Turbostaat die Bühne. Mit „Ruperts Grün“ eröffnen die als klassische Rockformation (zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang) angetretenen Turbos ihr Set. Nach dem ersten Song bricht Jubel aus, sie kommen beim Münchner Publikum bestens an. Frontmann Jan Windmeier scherzt: „Hallo wir sind Turbostaat, die ältesten Newcomer der Welt“. Weiter geht es im gewohnten Klang: Verschachtelte Sätze mit rauer Stimme im Sprechgesang vorgetragen, mit schönen Gitarrenlicks unterlegt und immer nach vorne ausgerichtet. „Alles bleibt Konfus“ und die letzte Singleauskopplung „Tricks der Verlierer“ komplettieren den Auftritt, der leider nach einer halben Stunde schon zu Ende ist.

Setlist: Ruperts Grün / Tut es doch weh / Husum Verdammt / Haubentaucherwelpen / Harm Rochel / Alles bleibt Konfus / Wolter / Vormann Leiss / Tricks der Verlierer

Nach der Umbaupause legt plötzlich ein DJ auf der Bühne los. Mit den Jackson Five, Metallica, Seeed, Chemical Brothers und anderen kurzen Mixes heizt er dem gespannten Volk schon mal mächtig ein. Fünf Minuten später, um 21:05, betreten die Beatsteaks die Bühne. Mit „Yours“, dem gleichbenannten Song ihres letzten Albums, legen sie furios „like a bomb“ los. Die Leute sind schon völlig drin, tanzen, singen mit oder bestaunen das Geschehen. Die erste Ansage von Arnim Teuteburg-Weiß, Frontmann der Band, spiegelt gleich den Humor des in Ost-Berlin geborenen Frontmannes wider: „Hallo München, wir sind die Spider Murphy Gang…“. Direkt knüpft „Hello Joe“, einer der Hits des Albums „Smack Smash“, an. Auch eine Trompete soliert in diesem Song, der DJ scratched und bringt seinen Sound ein und Arnim spielt dritte Gitarre, wie noch öfter an diesem Abend. Nun kommt Turbostaat-Sänger Jan auf die Bühne und performt den gemeinsamen Song „Frieda und die Bomben“, ihr kultiges Fu Manchu-Cover. Auch als die Band bei „Cut Off The Top“ am Anfang  den Einsatz verpasst, zeigt sich welchen guten Umgang die Musiker untereinander haben, und es macht sie noch sympathischer.

Mit abwechslungsreichem Programm, zwischendurch einem Sublime-Cover („Badfish“) und vielen älteren Liedern, fegt die Band wie ein Orkan durch die Fabrikhalle. Nach einer Stunde gönnt sich der Großteil der Musiker eine kleine Pause und Gitarrist Peter singt „Hey Du“ alleine. Wieder komplettiert gibt es den Song der aktuellen Platte „You In Your Memories“ – eine gewaltige Energie liegt im Raum. Man merkt der Band auch heute wieder und immer noch an, dass sie es lieben, live zu spielen; Das Publikum honoriert das und geht voller Euphorie mit. Plötzlich holt die Band mit „I Want To Break Free“ einen Queen-Klassiker aus der Tasche – kurz danach geht Arnim und das Publikum zum Intro zu „Let Me In“ in die Hocke – bevor der Song seine ganze Kraft entfaltet und es kein Halten mehr gibt. Die selbsternannte „beste Band des Universums“ macht ihrem Ruf alle Ehre. Mit „Gentlemen Of The Year“ verabschiedet sich die Band vorerst. Doch sie lassen sich nicht lang zu einer Zugabe bitten. Sie spielen „L auf der Stirn“ – auf dem Album wird dieser Song von Deichkind gefeatured. Und tatsächlich und zur Überraschung der Fans sind die MC´s Phillip und Sebastian auch heute dabei. Die Stimmung kocht und zusammen wird einfach noch „So ’ne Musik“ von Deichkind gespielt. War es das, ist das Konzert vorbei? Nein! Die Band kommt nochmal auf die Bühne und spielt „Sabotage“ von den Beastie Boys. Sehr nah am Original, ein absoluter Partykracher – die Leute rasten aus. Das ist das Grande Finale nach zwei Stunden Spielzeit!

Setlist: Yours / Hello Joe / Frieda und die Bomben (Fu Manchu Cover) / Summertime / Automatic / Monster / Summer / To Be Strong / Jane Became Insane / Policoro / Cut Off The Top / Soothe Me / Schlecht / Badfish (Sublime Cover) / Hand In Hand / As I Please / Hey Du (Ilona Scholz Cover) / 40 Degrees / I Want To Break Free (Queen Cover) / You And Your Memories / DNA / Milk & Honey / I Do / Let Me In / Gentlemen Of The YearZugaben 1: Fever / L auf der Stirn / So ’ne Musik (Deichkind Cover) / I Dont Care As Long As You SingZugabe 2: Sabotage

Was für eine Energieleistung! Wie oben beschrieben habe ich schon einige Konzerte der Beatsteaks gesehen und war auch immer begeistert. Heute haben Arnim, Peter, Bernd, Torsten, Thomas und ihre Gastmusiker wirklich noch eine Schippe drauf gesetzt. Übrigens soll auch Sänger und Entertainer Olli Schulz im Zenith gesichtet worden sein – doch dies nur als kleine Randnotiz. Dieser Abend war wirklich ein Feuerwerk an Musik, Show und guter Laune. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, ist das nicht die beste Band des Universums – eine der besten Livebands, die wir in Deutschland haben, sind die Beatsteaks aber gewiss. Ich komme wieder!

Bericht: Dennis Jakobi