Unlimited Sin – Beast in Black im Backstage (Konzertbericht)

Ausverkauft. Das steht vor dem Backstage Werk an diesem 8. März 2019. Grund dafür: die Metal-Aufsteiger Beast in Black. Eigentlich kommt der anscheinend doch so große Ansturm auf die Karten recht überraschend, ist es doch die allererste Headliner-Tour der Band und ihre Popularität zwar fraglos da, allerdings noch lange nicht so ausgereift, wie sie wohl in den Folgejahren sein wird. Dann aber bereits beim ersten Anlauf die größte Halle des Backstage-Komplexes auszuverkaufen, gebührt Respekt – und Können, das sie nicht zuletzt beim neuesten Album „From Hell With Love“ eindrucksvoll zur Schau stellten. Als Support reist die eigenwilligen Disco-Metalcore-Band Turmion Kätilöt mit.

„Die Hebammen des Verderbens“ spuckt Wikipedia als Übersetzung des schrägen Namens Turmion Kätilöt aus. In ihrer finnischen Heimat sind die Electro-Metaller kleine Superstars und haben unlängst mit einigen Alben Platz #1 der Album-Charts erreicht, auch zuletzt mit dem achten Werk „Universal Satan“. Hier in Deutschland sieht man die Herren eher selten. Musikalisch erinnert das alles an eine Kreuzung aus Eskimo Callboy, Russkaja und Five Finger Death Punch, gepaart mit ein paar stampfenden Rammstein-Riffs und schrägen Programmings, die aus Slipknots B-Seiten-Archiv gekramt sein könnten. Das ist zwar alles witzig und als Vorband so verkehrt nicht, aber aufgrund der absolut fehlenden Abwechslung im Stil-Mischmasch auch unfassbar ermüdend. Wieso man zudem eine Gesangs-Doppelfront bildet, die einfach exakt gleich singt, bleibt ein Rätsel – und so sind die 50 Minuten eher als Überlange zu betrachten. Immerhin, die kruden Bühnenoutfits von Sadomaso bis Black Metal-Klischee geben einiges her.

Setlist: Grand Ball / Love Is Dead / Verta ja lihaa / Minä määrään / Tirehtööri / U.S.C.H! / Faster Than God / Helvetin torvet / Sikiö / Pyhä maa / Lataa ja varmista

Beast in Black am 14.11.18 in der Olympiahalle

Der Grund für das übermäßig volle Werk sind aber natürlich nicht die ulkigen Finnen, sondern die Herren von Beast in Black. Das Bühnenbild selbst erinnert ein wenig an Halloween-Schlussverkauf und deckt womöglich doch zu viele Metal-Klischees ab, aber die Mannen an ihren Instrumentarien hält das nicht ab, gleich bei „Cry Out For A Hero“ Vollgas zu geben. Allgemein scheinen die fünf Musiker auf der Bühne tatsächlich ordentlich angestachelt vom ausverkauften Haus – das Publikum dankt es mit lauten Gejubel und wertschätzendem Applaus. 1500 Metal-Fans würden sich hier heute drängen, meint Sänger Yannis Papadopoulos, damit hätte man nie gerechnet. Dementsprechend Karacho wird in die Performance gesteckt, erfolgreich!

Viel Raum für Interpretationen und Spontanität wird den Musikern allerdings nicht gelassen – jeder Schritt ist geplant und choreografiert, die Samples kommen vom Band und werden nicht live gespielt und allgemein wirkt alles so, als würde man bei jeder Kleinigkeit auf die sichere Karte setzen. Damit geht zwar dem kräftigen und beeindruckenden Soundbild nichts verloren, allerdings Individualität und Einzigartigkeit – es bleibt ein Programm, das heruntergespult wird. Dieses lässt sicher aber immerhin mehr als sehen, denn 18 starke Songs lang gibt es allerlei Liedgut der ersten zwei Alben, einschließlich der beiden Hits „Born Again“ und in der Zugabe „Blind And Frozen“. Selbst das etwas umstrittene „Sweet True Lies“ kommt letztendlich bei den Münchnern bestens an.

Beast in Black am 14.11.18 in der Olympiahalle

Auch wenn alle Musiker stark und mit sichtlichem Können durch Solis und Riffs brettern, bleibt der größte Applaus dem zu spenden, der der Band den Stempel der Überdurchschnittlichkeit aufsetzt: Frontmann Papadopoulos. Die hohen Töne scheinen wie Spaziergänge für den Griechen, aber auch die tiefen Bereiche gelingen ihm scheinbar problemlos. Dass er aber auf eine gesamte Tour ohne Off Days, bei der er jeden Abend 90 Minuten auf allerhöchstem und komplexen Niveau gesanglich abliefern muss, tatsächlich zu kämpfen hat, schrieb er unlängst auf seinem Facebook-Profil – dennoch, Papadopoulos hält tapfer durch, wirkt oft sichtlich erschöpft in den schnaufenden Ansagen, aber bietet bis zum letzten Song „End Of The World“ eine überragende Leistung. Er allein ist einen Besuch der Band wert – er allein ist vielleicht auch der Grund, wieso Beast in Black auf ihrer ersten Headliner-Tour fast jede Location ausverkaufen und dabei noch lange nicht am Ende sind.

Setlist: Cry Out For A Hero / Unlimited Sin / Beast In Black / Eternal Fire / This Is War / The Fifth Angel / True Believer / Heart Of Steel / Born Again / Repentless / Ghost In The Rain / Die By The Blade / Crazy, Mad, Insane / Sweet True Lies / From Hell With LoveZugaben: No Surrender / Blind And Frozen / End Of The World

Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Ronja Bierbaum vom 14.11.2018 in der Olympiahalle (-> GESAMTE GALERIE)