Junges Regietalent probiert sich aus – „Based On“ in der Studiobühne TWM (Kritik)

„Solche Dinge passieren ab und zu, zwei Menschen begegnen sich und aus unerklärlichen Gründen kreuzen sich ihre Wege nie wieder.“

Solche Abende passieren am Theater selten, aber manchmal sieht man ein Stück und ist davon ganz verzaubert. Vergangene Woche hatten die Münchner diese Gelegenheit auf jeden Fall von Donnerstag bis Samstag (6. – 8. Februar 2020) in der Studiobühne. Detailverliebt, gewitzt, durchdacht und gefühlvoll kommt die Inszenierung ‚Based On‚ daher. Eine Kollage aus Erzählungen über Liebe, Eifersucht und Leidenschaft. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Das Stück widmet sich drei Paaren, die Erzählungen werden jedoch nicht, wie häufig in den ersten Regieversuchen der Studierenden, von Hobbyschauspielern vorgespielt. Die sechs SchauspielerInnen stehen meist gemeinsam auf der Bühne und umrahmen die Handlung, schmücken die Wort mit herrlich passenden Gesten aus und bereichern den Text. Anna Lepskaya hat für ihre Inszenierung offensichtlich hervorragend vorgearbeitet. Die SpielerInnen und ihre Handlungen passen zu jedem Zeitpunkt hervorragend zur gerade erzählten Geschichte. So werden die kurzen Anekdoten lebendig und die vermittelten Gefühle greifbar. Dieser Kunst sind zum Teil nicht einmal die großen Theater mächtig, in Laieninszenierungen ist sie sehr rar. Lepskaya schafft es mit Hilfe sehr passender Besetzung, den kurzen Abend von nur einer Stunde zu gestalten.

© Viktoriya Zayika

Als ruhige Konstante steht Nastia Shtemenko in den Gruppenszenen, als sensible Della in ihrer eigenen kurzen Liebesgeschichte, in der sie ihr schönes Haar verkauft, um ihrem Liebsten Jim (Felix Reitberger) zum Hochzeitstag eine Kette für seine Taschenuhr zu schenken. Er wiederum hat selbige verkauft , um seiner Frau silberne Kämme für das Haar zu erstehen. Reitberger überzeugt nicht nur als verständnisvoller Ehemann, sondern in den anderen Szenen auch mal als genervter Boyfriend, als Erzähler oder in Slapstikmanier, als er den Kopf im Casino wie eine Roulettekugel schwingt; an seiner Seite Philipp Schulze, dieser ist in seiner Szene mit Langzeit-Spielpartnerin Fiona Grün der coole Typ, in restlichen Stück sorgt er für die Lacher. Komik ist sein Metier. Dieses kommt in der Inszenierung besonders gut zur Geltung, da die kurzen komischen Elemente die Zuschauer schmunzeln, auflachen lassen, aber nie albern wirken oder der Erzählung die Aufmerksamkeit stehlen. So häufig eine Inszenierung an fehlendem Feingefühl bei der Dramaturgie scheitert, so gut ist dieses hier von Maryna Mikhalchuk bewiesen worden. Durch Wandelbarkeit beeindruckt Fiona Grün, mit Schulze spielt sie eine junge Frau, die in Teenagererinnerungen schwelgt. Das kommt wohl jedem im Publikum bekannt vor, nur wenige Minuten vorher gab Sie den ungepflegten Friseur, der Dellas Haar abkauft, so treffend, dass man sich ekeln möchte.

© Viktoriya Zayika

Den ersten Auftritt des Abends legt Swetlana Melnichuk als temperamentvolle Ehefrau Angela hin. Sie überzeugt darin, den Zweifel zu verkörpern, zwischen der betrogenen Ehefrau, die gern einen dramatischen Abgang hinlegen würde, und der Partnerin, die sich nur ihren Giuseppe (Amadeus König) zurückwünscht. Nicht nur Text, Spiel und Besetzung überzeugen. Auf der Studiobühne wartet diese Produktion mit einem Bühnenbild (Maria Prudnikova) auf, das filmreif ist, auf wenigen Quadratmetern wird eine bezaubernde Buchhandlung erschaffen, deren Rückwand komplett aus bedruckten Seiten kollagiert ist, genau so passend, aber scheinbar zufällig wie die erzählten Geschichten. Passend, weil unauffällig, aber geschmackvoll, sind auch die Kostüme von Viktoriya Zayika, die auch die Fotos zur Produktion beisteuert. Farben und Stile sind so kombiniert, dass die SpielerInnen sich wunderbar ins Bühnenbild einfügen, die Kleidung passt dabei sowohl zu den Figuren als auch zu den wechselnden Erzählerrollen. Auch hier die Message: Das könnte jedem passieren, sieht aber dennoch ein bisschen aus wie im Film. Sogar das Programmheft reiht sich ein in diese Lobeshymne, ist es doch sonst häufig eher Pflicht als Kür, verspricht Inhalte, die das Stück nicht halten kann, so erweitert diese hübsche Broschüre den Abend noch um einige poetische Wort und weist mit der Seite ‚Zufällige Zeilen aus zufälligen Büchern‘ darauf hin, das all das Gesehene so alltäglich und doch so romantisch, so schön ist.
Zu guter letzt sei auch noch ein Dank an die gute Fee der Studiobühne ausgesprochen, Licht und Ton gestaltete Hermann Hübner. Gestalten ist hier wörtlich gemeint, denn die wenige Musik ist geschmackvoll gesetzt und die Lichtstimmungen übersteigen „Licht an!“ und „BLACK“ bei weitem.

Diese Produktion ist (besonders für die Studiobühne!) von herausragender Qualität. Anna Lepskaya überzeugt nicht nur mit Talent und Kreativität, sondern auch mit guter Vorbereitung und der Fähigkeit, die Schauspieler so in Szene zu setzen, dass sie von ihren Talenten das Beste zeigen. Besondern beeindruckt der Abend als Gesamtkunstwerk: die Einheit von Bühne, Kostüm, Handlung, Licht, Ton, Spiel, ja gar Programmheft bietet einen Eindruck davon, wie handwerklich gut gemachtes Theater aussehen kann, wenn alle Beteiligten wissen, was sie tun und sich so viel Mühe geben, wie für diese drei Abende!

Kritik: Jana Taendler