Poesie in Bewegung – „BANG BANG“ im GOP Varieté-Theater (Kritik)

Endlich wieder spielen dürfen. Endlich wieder auf die Bühne. Endlich wieder Publikum. Während andere Theater gerade in die Sommerpause gestartet sind, legt das GOP Varieté-Theater in München gerade jetzt wieder los. Dreieinhalb Monate war das GOP wie auch alle anderen Theater aufgrund des Covid-19 Ausbruchs geschlossen, jetzt meldet es sich zurück mit einer wunderschönen neuen Show, die zum Träumen und Verlieben einlädt. 

Bereits bei der Medienpremiere am 2. August 2020 ist der coronatauglich umgebaute Saal ausverkauft, es herrscht eine Vorfreude, als ob aufs Christkind gewartet wird, anstatt auf die Premiere der neuen Show „BANG BANG“. 

© GOP Variete

Basierend auf der Idee von Anna Ward und in der Regie von Anthony Venisse wird das Publikum in der 90-minütigen Show in das Fotostudio BANG BANG ins New York der 60er-Jahre entführt. Dort treffen sich allerlei bunte Charaktere, die mit ihren Kunststücken und ihrer Artistik alle beeindrucken. Es ergeben sich Liebschaften, Eifersüchteleien und Momente großer Emotionen, die das Publikum begeistern, erstaunen und träumen lassen. Denn die Besonderheit von Varieté-Theater wird in dieser Show einmal wieder bewiesen: egal ob Duo- oder Solo-Akrobatik, Hula Hoop oder Cyr, Diabolos oder Jonglage, im Varieté gelingt es eine Spannung, eine Verbindung zwischen Artist und Zuschauer herzustellen, von der Fernsehen oder YouTube nur träumen können. Das Publikum fiebert mit, wenn sich zwei Artisten gegenseitig durch die Luft werfen und hat Mitleid mit dem traurigen Clown, wenn er von seiner Verabredung versetzt wird. Dabei gelingt es dieser Show die wunderschöne Ästhetik durchgehend beizubehalten und gleichzeitig mit humoristischen Tanzeinlagen und ungewöhnlichen Hilfsmitteln die Stimmung hoch zu halten, ohne allzu albern zu werden. 

© GOP Variete

Für besonders traumhafte Bilder sorgen dabei Charlotte Gagnon und Ian Lamelle mit ihrer Duo-Akrobatik, wenn die beiden ihre verschiedenen Partnerelemente besorgniserregend leicht erscheinen lassen. Genauso wie Jade Morin, die gekonnt und sicher an einer Kleiderstange ihre Akrobatik vorführt, wobei vom Nachmachen zuhause strikt abgeraten werden sollte. Die humoristische Kombination aus Becky Priebe als eifersüchtige Freundin / Assistentin und Philippe Thinbaudeau als lässiger Frauenschwarm hat zudem Suchtpotential. Auch die beiden Solo-Artistinnen Anna Ward und Danielle Saulnier verzaubern mit ihren Fähigkeiten und ihrer strahlenden Bühnenpräsenz. Die Sahnehäubchen sind dann noch Xavi Casals mit seiner hinreißend charmanten Komik und Simon-James Reynolds, der mit seiner Nummer am Swinging Pole einfach nur, kurz gesagt, wunderschön anzusehen ist, sodass man gar nicht mehr weg möchte aus diesem kunterbunten Fotostudio. 

Es bleibt nichts zu sagen als eine starke Empfehlung auszusprechen für alle die, die Körperkunst in Bewegung und Poesie in sanften Bildern einfach nur beeindruckend finden. Die Show „BANG BANG“ läuft noch bis 23. August 2020 im GOP Varieté-Theater München. 

Kritik: Anna Matthiesen