Dies ist die Stunde – Armin Kahl im Hofspielhaus (Kritik)

„Ein Abend mit Armin Kahl“ war der Solo-Konzertabend des Musicaldarstellers Armin Kahl für Mai betitelt und alsbald auch gut gekauft, als das geschieht, was uns immer noch beschäftigt: Corona. Doch sowohl das Hofspielhaus als auch Kahl lassen sich nicht unterbekommen und holen diese Premiere nun im Oktober nach – zwar mit weniger Besuchern, aber noch mehr Enthusiasmus. Der erste Termin am 7. Oktober ist mit rund 30 Personen restlos ausverkauft, auch die Doppelvorstellung am 18. Oktober ist bereits voll. Unser Leben mag vielerlei noch eingeschränkt sein – das Publikum kommt dennoch und bleibt Theater und Musik treu.

© Petra Schönberger

Ein Vorteil dieser pandemischen Zeiten sind sowieso eine erfreuliche Anzahl an Musical-Solo-Konzerten – sie sind pandemietauglich, aber lassen dieses derzeit nicht so recht aufführbare Theater-Genre lebendig bleiben. Ob bei Philipp Büttner in der Staatsoper oder mit dem Ensemble im Gärtnerplatztheater – die poppigen, aber eben auch teils fordernden Melodien ziehen. Armin Kahl ist seit über 20 Jahren in diesem Genre unterwegs und hat von Major-Musicals wie „Mamma Mia“ und „Jesus Christ Superstar“ bis kleinere, unbekannte Produktionen wie „Die drei Musketiere“ allerlei gespielt, woraus er einen Abend gestalten kann. So legt um kurz nach 20 Uhr erst einmal sein Pianist und ehemaliger Kommilitone Alan Sokol instrumental am Flügel los, bis Kahl im wilden Cape-Outfit ein Medley aus „Schikaneder“ zum Besten gibt. In Wien habe er lange Zeit in diesem Long-Run gespielt, erzählt er, neben dem Kollegen Mark Seibert. Gegen den gibt es im Laufe des Abends immer wieder kleine Seitenhiebe, beispielsweise in „Der letzte Tanz“ aus dem Musical „Elisabeth“, das ein wenig umgedichtet wird. Ebendieses Musical, wie auch „Tanz der Vampire“ und „Mozart!“, stünde seit dem Studium auf seiner Must-Play-Liste – und doch ist er immer schon gebucht, wenn sich Auditions auftun. Ein Luxusproblem, wie er augenzwinkernd einbaut.

© Petra Schönberger

Mit einer Pause werden die beiden rund 50-minütigen Blöcke getrennt, sodass der Abend entspannt und nicht übermäßig voll verläuft. Die Auswahl ist schmissig, deckt einen großen Teil der wichtigen Stationen Kahls ab und ist interessanterweise einmal nicht das Standard-Musical-Best-Of-Konzert. Stattdessen wandern auch zwei Chansons ins Programm – einmal vom Liedermacher Friedrich Hollaender über die Wiener Herzlichkeit, im zweiten Teil die humorvolle Nacherzählung der „Aschenbrödel“ von der verstorbenen Komponistin und Sängerin Christiane Weber. Besonders letzteres avanciert zum Publikumsliebling und erzielt viele Lacher im Raum. Während das Publikum am Anfang noch etwas zurückhaltend agiert, steigert sich diese Klatschfreudigkeit und Euphorie im Laufe des Sets deutlich. Armin Kahl weiß allerdings auch, wie das Publikum mit verschmitzten und gewitzten Ansagen und Anekdoten um den Finger zu wickeln ist. Manchmal ist Kahl dann aber doch zu sehr im Schauspiel drin, dass einige Ansagen etwas zu übertrieben sind. Ein bisschen weniger wäre hier, vor allem in Hinblick auf den heimeligen Rahmen, wohl wirkungsvoller.

Am Ende bleibt eine bunte Fahrt durch 20 Bühnenjahre, die noch lange nicht das Ende bedeuten – die Wiederaufnahme von „Drei Männer im Schnee“ am Gärtnerplatztheater steht bevor, „Priscilla – Königin der Wüste“ läuft noch und wird wiederkommen. Armin Kahl bleibt beschäftigt – ein Privileg in solch unsicheren Zeiten.

Programm:

Akt I: Geld und Glück/Träum gross/So viele Fische im Meer (Schikaneder) / Dunkles Schweigen an den Tischen (Les Miserables) / Der letzte Tanz (Elisabeth) / Wiener Schmarrn/Rattengift her (Friedrich Hollaender) / Der Song vom Schneider Schmuel (Die letzten fünf Jahre) / Wir (Zorro)

Akt II: Schwert und Stein (Artus Excalibur) / O Herr (Die drei Musketiere) / Aschenbrödel (Christiane Weber) / Dies ist die Stunde (Jekyll & Hyde) / MacArthur Park (Priscilla – Königin der Wüste) / Medley (Mamma Mia / Griechischer Wein / Always Look On The Bright Side Of Life / Go West / Hosanna / Natürlich Blond Remix)Zugabe 1: On This Night Of A Thousand Stars (Evita) Zugabe 2: Fragen wir doch einfach mal den Wolkenstein (Drei Männer im Schnee)

Kritik: Ludwig Stadler

Herzlichen Dank an Petra Schönberger von Events For You zur Bereitstellung einiger Bilder!