Anna und die Apokalypse – Filmkritik

(2,5 / 5)

© splendid film

Regisseur/in: John McPhail

Genre: Komödie, Action, Horror

Produktionsland: UK

Kinostart: 6. Dezember 2018

Laufzeit: 1 Std. 32 Min.

 

 

Zugegebenermaßen eine originelle Mischung, die da von der Insel zu uns rüber geschwappt ist: „Anna und die Apokalypse“ ist eine romantisch angehauchte Teen-Komödie, gepaart mit Zombie-Action-Horror, die – weil es sonst ja auch langweilig wäre – als Musical verfilmt wurde und zur Weihnachtszeit spielt. Also ein Weihnachts-Rom-Com-Zombie-Action-Horror-Musical…, oder so ähnlich. Dieser Independent-Film aus Großbritannien, der nur so vor schwarzem Humor und vor allem Blut sprüht, lässt den Kinobesuch zu einem kultigen Trash-Event werden, der jedenfalls sehr unterhaltsam ist. Das Drehbuch von Alan McDonald basiert auf dem BAFTA-prämiertem Kurzfilm „Zombie Musical“ (UK, 2011) des kürzlich verstorbenen Ryan McHenry. Jung-Regisseur John McPhail, der bisher selbst nur mit einigen Kurzfilmen von sich reden machte, schuf damit ein gut gelauntes High-School-Musical ganz eigen(artig)er Art mit sehr eingängigen und guten Songs. Da fragt man sich doch, warum nicht schon vorher jemand auf diese Idee kam, wo doch die Weihnachtszeit praktisch direkt auf Halloween folgt…

Anna, gespielt von Ella Hunt, und ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) gehen auf eine schottische High-School und sehen sich mit den allgemeinen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens konfrontiert: Bevorstehende Veränderungen nach dem Abschluss, Verlust von geliebten Menschen, Erfahrungen in Sachen Liebe… und die Zombie-Apokalypse natürlich. Bei der Bewältigung dieser besonderen Herausforderung, die von allen eine ganze Weile lang völlig unbemerkt bleibt, werden die zwei tatkräftig von ihren Freunden unterstützt. Als weitere Hauptrollen stellen sich dabei die toughe Sarah (Sarah Swire) und der draufgängerische Nick (Ben Wiggins) heraus. Als die Zombie-Apokalypse sich dann auch dem letzten heranwachsenden Smartphone-Zombie in der Kleinstadt aufdrängt, findet sich die Gruppe, getrennt von ihren Eltern, in einer Bowlinghalle wieder, von wo aus sie versuchen, sich einen Weg zu ihrer Schule zu bahnen. Dort erhoffen sie sich Hilfe von den Erwachsenen, die sich anlässlich eines Weihnachts-Musicals dort befanden, als sie von den Untoten überrascht wurden…

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Die Handlung von „Anna und die Apokalypse“ ist mehr oder weniger zweigeteilt. Zu Beginn überwiegt das Genre der Teenie-Komödie mit Anna (Ella Hunt) als alleiniger Hauptfigur, die sich mit diversen Veränderungen in ihrem Leben auseinandersetzen muss. Das Gerede im Radio über einen sich verbreitenden Virus wird dabei noch sehr beiläufig weggedrückt. Sie durchlebt eine Zeit der Veränderungen in diesem Abschlussjahr an der High-School, soviel wird deutlich. Ihr Plan, nach dem Abschluss eine Weltreise zu machen anstatt sich an der Universität einzuschreiben, sorgt dabei für Ärger mit ihrem alleinerziehenden Vater Tony (gespielt von dem sympathischen und äußerst beliebten, britischen Schauspieler Mark Benton). Die Reise stellt aber auch einen Herzenswunsch für sie dar – und eine Möglichkeit der tristen Kleinstadtödnis zu entfliehen. Ihre Aufbruchstimmung wird anhand eines ersten Songs verdeutlicht, der einem die Richtung relativ gut vermittelt, in die der Film sich bewegen wird. Die stets ungekämmte Anna untermalt ihre Emotionen bei diesen gesanglichen Gefühlsausbrüchen gerne mit Geheadbange und beiläufigen Tanzeinlagen, bei denen die ganze Schule mitmachen darf. Allgemein wird man das Gefühl nicht los, dass diese Anfangsszenen alle mit einem einzigen Take aufgenommen wurden und Cast & Crew dabei eine Unmenge Spaß hatten – was angesichts der Tatsache, dass der Film innerhalb von 5 Wochen abgedreht wurde auch vermutlich der Fall war. Glücklicherweise wird auch nicht versucht zu vertuschen, dass es sich um einen wenig aufwendig produzierten Film handelt; der unechte Schnee in einer kitschig-süßen Szene um Anna und John vermittelt einem dabei das volle Low-Budget-Feeling in seiner schönsten Ausprägung. Das eine oder andere knutschende Pärchen und eine unerwiderte Liebe dürfen in diesem Genre natürlich nicht fehlen. Sogar für einen Bösewicht wurde gesorgt. Schulleiter Savage (gespielt von Paul Kaye, einem preisgekrönten, britischen Schauspieler, den meisten wohl in der Rolle des Thoros in Game of Thrones bekannt) stellt sich jedem mit seinen altmodischen Vorstellungen in den Weg.

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Vielleicht als kleine Hommage an die Szene im Film „Shaun Of The Dead“, in welcher der Hauptdarsteller morgens aufsteht und zur Arbeit geht, ohne zu merken, dass die Straßen bereits voller Zombies sind, kann man den Zeitpunkt des Genre-Wechsels in „Anna und die Apokalypse“ verstehen. Der Film schwenkt musikalisch untermalt um zur Zombie-Horror-Action-Komödie, als Anna und John in feinster Musical-Art durch die von Zombies befallenen Stadt tanzen und wegen ihrer Kopfhörer nicht bemerken, wie sich um sie herum der reinste Horror-Splatter abspielt. Eine tolle Szene, die sehr viel Spaß macht und deren Choreographie an 80er-Jahre-Tanzfilme erinnert. Man bekommt das kurze Gefühl, dass dieser abgefahrene Mix vielleicht doch eine ganz gute Idee gewesen sein könnte. Interessanterweise wird einem nach einiger Zeit sogar klar, dass der Film tatsächlich sozialkritische Aspekte mit sich bringt. So handeln viele der Songs von der sich verändernden Gesellschaft, in welcher die zwischenmenschliche Kommunikation immer mehr abnimmt. Das Fehlen von Mitgefühl und Mitmenschlichkeit in einer technisierten Welt nimmt überhand und das Gefühl, von der realen Welt ausgeschlossen zu sein, verstärkt sich unter Heranwachsenden und Kindern. Sehr schön wird das in einem Satz von Savage zusammengefasst: „Ich habe euch schon immer Zombies genannt“. Eine sehr kritische Sichtweise lässt hier blicken. Der Film wird mit diesem Schwenk auch ernster und etwas emotionaler, wobei es recht schwierig ist, ernstzunehmende Emotionen rüberzubringen, wenn kaum zwei Szenen zuvor die vorprogrammierte Teenie-Film Kotz-Szene gebracht wurde. Daher gelingt dieser Absprung leider nicht so, wie es vermutlich geplant war. Weinkrämpfe der Darsteller in belastenden Situationen wirken eher komisch als bewegend und sind irgendwie fehl am Platz. Auch werden viele Randinformationen über die einzelnen Charaktere gestreut, um diesen mehr Tiefgang zu geben, was jedoch sehr zufällig wirkt und den Zuschauer mit zu vielen unnötigen Informationen für einen solchen Spaß-Film überschüttet. Ganz klar muss man sagen, dass es sich bei „Anna und die Apokalypse“ um einen ziemlich trashigen Film handelt, der nichts für den Durchschnitts-Kinogänger ist. Die Zombie-Szenen sind alle schön blutig gehalten und werden den einen oder anderen an „Dawn of the Dead“ (2004) erinnern, die Musical-Komponente wiederum könnte hartgesottene Zombiefilm-Fans abschrecken, was die nicht ganz unberechtigte Frage aufwirft, was für eine Zielgruppe dieser Film eigentlich ansprechen sollte…

Fazit: „Anna und die Apokalypse“ ist ein nettes Musical-Event, das mit seinen bewundernswerten Jung-Schauspielern punktet und einen Bonus bekommt für seinen Einfallsreichtum. Leider stellt es weniger eine gute Kombination aller Vorteile der aufgegriffenen Genres dar als eher ein Verhackstücken von Klischees aus Zombie- und Teenie-Filmen. Er hinterlässt zwar zur Zufriedenheit den Eindruck, eine Zeit lang unterhalten worden zu sein, jedoch auch eines der völligen Verwirrung, was man sich denn da soeben angesehen hat. Für einen witzigen Filmeabend mit ein paar verrückten Freunden jedoch empfehlenswert!

(2,5 / 5)