Intrigen im Zeichen der Krone – „Anna Bolena“ am Gärtnerplatztheater (Kritik)

Nach der Bayerischen Staatsoper folgt nun auch das Staatstheater am Gärtnerplatz mit einer Opernpremiere als Livestream. In einer halbszenischen Aufführung werden die Zuschauer eingeführt in die Intrigen und Machtspiele des englischen Königshauses im 16. Jahrhundert und erleben große Emotionen und schändlichste Gedanken in einer überzeugenden Darbietung aller Beteiligten. Donizettis Oper Anna Bolena feierte am 4. Dezember 2020 Premiere am Gärtnerplatztheater.

© Marie-Laure Briane

Das Konzept der Aufführung ist spannend. Überschrieben mit dem Begriff halbszenisch ist dieser Abend eine Mischung aus konzertanter und szenischer Darbietung. So darf man sich nicht wundern, dass sich einige Notenständer auf der Bühne finden lassen, welche sich jedoch gut in das minimalistische Bühnenbild eingliedern, welches besonders durch eine Videoleinwand im Hintergrund lebendig wird.

Gesanglich liefern alle Darsteller eine herausragende Leistung ab. Jennifer O’Loughlin, welche die Titelrolle verkörpert, glänzt durch Perfektion und Emotionalität, in welcher ihr ihre Kollegen jedoch in nichts nachstehen. Auch der Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz überzeugt als bedrohliche Masse des Volkes; so entstehen trotz coronabedingten Abstandsregelungen spannende Massenszenen, welche das Orchester unter der Leitung von Howard Arman wunderbar begleitet und den Abend somit zu einem lohnenswerten Gesamtkunstwerk erhebt.

Eine solche Premiere als Livestream mag sicher nicht das gleiche wie eine Live-Performance sein, doch ist es dennoch eine gute Möglichkeit in diesen Zeiten Kultur zu genießen und vor allem zu unterstützen. Bis wir uns alle gemeinsam im Gärtnerplatztheater wiedersehen!