Irrungen und Verwirrungen unter der Regie Cupidos – „Amors Fest“ am Gärtnerplatztheater

Barocke Klänge von Cembalo und Laute füllen den Saal an diesem spektakulären Abend. Götter, Allegorien und Nymphen tanzen beschwingt über die Bühne, auf der in kürzester Zeit aufwendige, ästhetische Bilder der vier Jahreszeiten entstehen. Es liegt ein Wandel in der Luft. Ein Wandel von Gut und Böse, von Liebe und Unglück, von Tag und Nacht. Und dies alles eingekleidet im Mantel des Barock, einer Zeit, in der Umbruch an der Tagesordnung stand. Das „Barockspektakel“ Amors Fest feierte am 14. Oktober 2021 Uraufführung im Staatstheater am Gärtnerplatz.

© Marie-Laure Briane

Das Werk, zusammengestellt und bearbeitet von Howard Arman, findet in vier verschiedenen Teilen statt. Vier Teile, die für die vier Jahreszeiten stehen. Die Gewerke von Kostüm, Bühne, Licht und Video schaffen es, diesen Wandel der Zeit und die Wechselhaftigkeit des Jahres gekonnt darzustellen, sodass das Gesamtkonzept als wunderbar stimmig erscheint. Die Bilder, die im Laufe des Abends entstehen, sind unglaublich ästhetisch. Ob ein in rot-orange-Tönen gehaltenes Weinlesefest oder Frühlingsstimmung hinter einer durchscheinenden Wand von Bäumen und Blumen. Diese Aufführung ist ein sinnliches Erlebnis für Augen und Ohren.

Die Solisten sowie der Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz glänzen durch sängerische Perfektion und musikalische Genauigkeit. Ihnen wird zudem durch diverse Rollenwechsel auch schauspielerisch einiges abverlangt. Besonders hervorragend in seinem Übergang von der Rolle des mit Hecken flirtenden Dieners zum mächtigen Liebesgott Amor ist an diesem Abend der Tenor Juan Carlos Falcón. Mit Leichtigkeit und Charme schafft er es, in beiden Figuren zu glänzen und das Publikum in Lachen und Staunen zu versetzen. Levente Pálls tiefer, voll klingender Bass ist ein wahres Erlebnis für die Ohren und Anna-Katharina Tonauer überzeugt durch ihre klare, weiche Stimme mit tonaler Brillanz.

© Marie-Laure Briane

Doch die verschiedenen Rollenwechsel, das Spiel mit den Gegensätzen und eine Handlung, die oftmals auf Verwirrungen und Täuschungen aufbaut, machen es zum Teil nicht leicht, der Dramaturgie des Stückes zu folgen. So sollte man sich als Zuschauer auf jeden der vier Teile einzeln einlassen und das Werk letztendlich als sogenanntes Pasticcio betrachten, eine aus unterschiedlichen Bausteinen zusammengesetzte Gesamtkomposition. Dieser Ansatz wird zudem unterstützt durch die Auswahl von Musiken vierer verschiedener Komponisten des Barock: André Campra, Matthew Locke, Claudio Monteverdi und Sebastián DurónArman verbindet diese zudem mit eigens für dieses Werk komponierter Musik und macht durch einige, instrumentale Teile deutlich, dass sein „Barockspektakel“ in besonderem Maße von den Instrumentalkompositionen lebt.

Dass der Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Regie für Amors Fest übernommen hat, wird durch den vermehrten Einsatz tänzerischer Darbietungen unterstützt, welche sich passend in das bunte Ereignis auf der Bühne einfügen. Das Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz überzeugt besonders durch seine Vielfältigkeit. Von sinnlich-weichen Bewegungen bis hin zu komischen Darbietungen als Pferde oder Hecken – die Tänzer zeigen ihr Können auf diversen Ebenen. Besonders eindrucksvoll ist dabei eine Choreographie mit Gehstöcken, die trotz schwierigem Handling mit äußerster Synchronität eingesetzt werden.

Dieser Abend gedenkt demnach nicht nur durch seine Musikauswahl der Zeit des Barock. Die Verbindung von Gesang, Tanz und Instrumentalmusik war in dieser Zeit ebenfalls mehr als üblich. Das Staatstheater am Gärtnerplatz beweist mit Amors Festdass sich ein solches Gesamtkunstwerk nach wie vor bewährt und die Musik und Thematiken des Barock noch lange nicht ausgestorben sind. Vielmehr lohnt es sich, sie in den Mantel eines neuartigen Werkes zu kleiden und so etwas Einzigartiges zu schaffen, was in dieser Art und Weise nur selten auf den Bühnen des Landes zu finden ist.

Kritik: Rebecca Raitz