Rise Today – Alter Bridge & Shinedown im Zenith (Konzertbericht)

Spätestens wenn die Worte „love addicted to pain“ erklingen, ist klar, um wen es sich handelt: Alter Bridge. Die Supergroup um Frontmann Myles Kennedy und Gitarrist Mark Tremonti hat ihre obligatorische Pause beendet und mit „Walk The Sky“ ein rock- und rifflastiges Rückkehr-Album vorgelegt, womit sie 2019 unterwegs sind. Nach einer Co-Head-Tour mit Skillet kehren die Alternative Rocker nun zurück auf die europäischen Bühnen, inklusive einem Stopp am 27. November 2019 im Münchner Zenith. Mit dabei haben sie The Raven Age und niemand geringeres als Shinedown.

So liegt es aber erst einmal an The Raven Age, um kurz vor 19 Uhr ein wenig Stimmung in das Zenith zu bringen. Das gelingt allein schon wegen Sound-Problemen weniger, da sie sowohl zu leise als auch zu wenig druckvoll aus den Boxen schallen. Die 35-minütige Performance ist dennoch grundsolide, wenngleich die Musik schlichtweg zu belanglos und zu wenig einzigartig ist, um nachhaltig zu begeistern.

Setlist: Betrayal Of The Mind / Surrogate / The Day The World Stood Still / Fleur de Lis / The Face That Launched A Thousand Ships / Seventh Heaven / Angel In Disgrace

Anders bei Shinedown, die mit voller Bühne und überraschend großer Produktion um 20 Uhr ihr Set beginnen. Eine einfache Support-Band sind die Grunge- und Rock-Helden aus Amerika kaum – nicht nur ist ihr Name auf den Tourplakat fast so groß wie der von Alter Bridge, auch macht die Stimmung deutlich, dass man sich mindestens so sehr auf die Herren Smith, Bass, Myers und Kerch freut wie auf den Headliner – zudem ein nicht gerade zu verachtender Teil scheinbar auch nur für Shinedown gekommen ist. Ab dem Start mit „Devil“ beweisen die Musiker aber auch sofort, wieso sie eine satte Stunde Spielzeit innehaben – ihre treibenden Songs, egal ob das kultige „Sound Of Madness“ oder das poppige „Get Up“, funktionieren auf Anhieb und lassen auch die ersten Moshpits eröffnen.

Besonders charismatisch agiert Frontmann Brent Smith mit seiner unverwechselbaren bestimmenden, aber zugleich würdigenden Art, indem er das Publikum zu diversen Aktionen auffordert, durch das Publikum marschiert, T-Shirts mit Kanonen verschießt oder die Fotografen und Securitys mit Handschlag begrüßt. Aber auch gesanglich ist Smith bestens bei Stimme – das fast schon einverleibte Lynyrd Skynyrd-Cover „Simple Man“, dieses Mal in der Rock-Fassung gespielt, bietet er grandios dar, auch sonst überzeugen Shinedown in ihrer Performance nicht nur, sondern fegen wie ein Orkan über die Bühne. Einzig der Sound passt sich nicht der Band, sondern der Zenith-Halle an – im Gegensatz zum letztjährigen Konzert in der Muffathalle, wie wir berichteten, dann doch kein klanglicher Vergleich.

Setlist: Devil / Diamond Eyes (Boom-Lay Boom-Lay Boom) / Enemies / Monsters / Get Up / Cut The Cord / Second Chance / Simple Man (Lynyrd Skynyrd cover) / Sound Of Madness / Brilliant

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Wie also soll es gelingen, nach Shinedown sein Konzert zu spielen? Die simple Antwort: gar nicht. Alter Bridge geben sich auch kaum Mühe, die Performance zu überbieten, ihre Stärken liegen in der Komposition und der Gitarrenarbeit – mit Solis sparen Mark Tremonti und Myles Kennedy wahrlich nicht. Auf dem Niveau, auf dem die beiden Gitarristen, ist das aber auch vollkommen verständlich – ihr Rock ist ausgefeilt, lebt maßgeblich von der starken Frontstimme Kennedys und zeichnet sich auch gerne mal in richtigen Überlänge-Brocken wie „Cry Of Achilles“ oder „Blackbird“ aus. Leider spielt der Sound auch hier nicht auf dem gleichen Level wie die Künstler, aber es verbessert sich deutlich über die Dauer des Konzerts, sodass gegen Ende bei „Metalingus“ wirklich der Druck auf den Gitarren lastet, den Alter Bridge verdienen.

Das Konzert selbst steht allerdings, bereits bei den vorherigen Bands, unter einer anderen Flagge: dem 50. Geburtstag von Mastermind von Myles Kennedy. Die Happy Birthday-Chöre erschallen zwar lauter unter der Aufforderung von Smith bei Shinedown, aber insgesamt wird der Ehrentag ordentlich gewürdigt – Kennedy zeigt sich gerührt und beteuert, dass er sich kaum einen schöneren Geburtstag vorstellen kann. Das ordentlich gefüllte Zenith ist aber auch ein lautstarkes und dankbares Publikum und sieht über einige Längen in der Setlist hinweg, auch über den etwas unpersönlichen Start ins Konzert. Wenn die Band als abschließenden Song allerdings „Addicted To Pain“ anstimmen und zum Finale die Luftsäulen aus allen Rohren schießen, verzeiht man kleine Längen. Über 100 Minuten Konzert später haben Alter Bridge allemal bewiesen, wie moderner und eingängiger Rock im Jahr 2019 klingen muss und dieser alles andere als tot ist.

Setlist: Wouldn’t You Rather / Isolation / Come To Life / Pay No Mind / Ghost Of Days Gone By / Broken Wings / Native Son / Rise Today / Dying Light / Cry Of Achilles / Waters Rising / Watch Over You / Blackbird / Open Your Eyes / MetalingusZugaben: Godspeed / Addicted To Pain

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Bericht: Ludwig Stadler
Fotos: Martin Schröter