No Knock – All That Remains im Backstage (Konzertbericht)

Fast auf den Tag genau acht Jahre ist es her, dass All That Remains zuletzt in München gastierten. 2018 allerdings sollte das Jahr ihrer großen, neuen Ziele werden – endlich mal wieder eine große EU-Tour mit neuem Album und vor allem neuen Elan. Dann allerdings die Tragödie: Gitarrist und kreativer Kopf Oli Herbert verstarb unerwartet und viel zu früh im Oktober. Der Schock saß tief, der Schmerz kaum zu bändigen. Dennoch hat man sich entschlossen, die Tour zu spielen, gemeinsam mit einem befreundeten Ersatz-Gitarristen, der sich angeboten hat, in die Fußstapfen für mindestens diese Tour zu treten. Am 17. Dezember 2018 in der Backstage Halle soll es also nun soweit sein, lokaler Support sind Heruin.

Die Halle selbst ist noch recht zaghaft gefüllt, als Heruin die Bühne betreten und gleich mit der bandeigenen Hymne „Haunted“ starten. Eine EP haben die vier Jungs bereits veröffentlicht, fünf Lieder sind darauf vorhanden – und exakt diese gibt es auch zu hören, nicht mehr, nicht weniger. Rund 22 Minuten dauert der Auftritt also gerade mal – dennoch gelingt es den Münchner nach anfänglichen Sound-Schwierigkeiten einen brauchbaren Einheizer zu mimen, der in puncto Stage Acting ziemlich gut dabei ist, allerdings an der Performance an einigen Stellen noch zu wenig geballte Energie vermittelt. Zudem stellt sich die Frage, ob man sich tatsächlich mit „this is the new shit“ ankündigen kann, wenn man musikalisch doch genau den gleichen Core-Einheitsbrei macht wie so viele andere Underground-Bands auch. Dennoch solider Auftritt.

Setlist: Haunted / Love / Issue / Addict / Gore

Mit viel größerer Erwartung in der inzwischen einigermaßen passabel gefüllten Halle warten allerdings die Fans auf den Hauptact: All That Remains. Diese entern nach einem kurzen Intro auch bereits um 21 Uhr die Bühne mit ihrem Klassiker „Two Weeks“ und ziehen die Härte sodann direkt mit „Whispers (I Hear Your)“ dementsprechend an. Allgemein besinnen sich die Amerikaner sehr auf ihre harten Werke und bringen auch vom neuen Album, das sich allgemein sehr exzessiv dem Rückgang zu den Death-Wurzeln verschrieben hat, zwei Stücke, die definitiv als musikalische Highlights gelten: „Wasteland“ und „Fuck Love“. Ein schöner Kontrast, dass es mal die neuen Songs sind, die besonders knallen – andererseits befanden sich ATR (so die Abkürzung der Band) jahrelang in einem Zustand zwischen Hard Rock und leichtem Metal. Nur konsequent, dass sie ihre Wucht wiedergefunden haben und sogleich auf die Bühne transportieren.

Allgemein bringen die fünf Musiker eine ziemliche Kraft auf die Bühne und spielen recht schnell ihre Songs hintereinander, um die Energie beizubehalten, was anhand des tobenden Moshpits sichtbar gelingt. Die mit Spannung erwarteten Ansagen von Frontmann Phil Labonte enttäuschen dann aber doch ein wenig – insbesondere sein Erzählen über die garantiert nicht einfache Zeit, als sein Mitstreiter über die letzten 20 Jahre hinweg dann plötzlich verstarb. Fast schon zu kühl und einstudiert wirkt es, garantiert nicht das Gefühl, was er eigentlich vermitteln wollte – stattdessen wird mehr gespielt und teilweise auch überspielt. Aber gut, die Besucher haben einen Kartenpreis von 35€ bezahlt und erwarten selbstredend immer noch mehr die Musik, keine langen Ansprachen. Die Lieder gibt es dann auch zu hören, 14 an der Zahl, bevor sich die Band ziemlich überraschend nach gerade einmal 60 Minuten wieder verzieht. Das Licht geht an, Zugabe gibt es nicht. Eine starke, aber definitiv zu kurze und dafür zu teure Konzertstunde.

Setlist: Two Weeks / Whispers (I Hear Your) / No Knock / Not Alone / Chiron / This Probably Won’t End Well / Hold On / The Air That I Breathe / Wasteland / Fuck Love / The Last Time / Six / What If I Was Nothing? / This Calling

Bericht: Ludwig Stadler