Aladdin (2019) – Filmkritik

(4,5 / 5)

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Regisseur/in: Guy Ritchie

Genre: Abenteuer, Komödie, Familie

Produktionsland: USA

Kinostart: 23. Mai 2019

Laufzeit: 2 Std. 08 Min.

 

 

 

Filme sind ja bekanntlich Herdentiere. So ist es nicht allzu verwunderlich, dass momentan gleich ein ganzes Rudel Realverfilmungen von Disney-Zeichentrickklassikern in die Kinos kommt. Der ein oder andere dürfte aufgrund seiner tierischen Hauptdarsteller etwas CGI-lastiger ausfallen oder je nach der Beliebtheit des Originals mehr oder weniger Besucher in die Kinos locken. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: sie treiben gestandene Erwachsene an die Kinokassen, um sich Märchenfilme anzusehen, und das ist auch gut so, denn brauchen wir nicht alle hin und wieder mal ein wenig Wunderbares in unserem Leben? Regisseur Guy Ritchie (Sherlock Holmes, 2009) wurde nun die gewichtige Aufgabe zuteil, unseren beliebten Straßendieb Aladdin und seine Wunderlampe aus dem gleichnamigen Zeichentrickfilm von 1992 zum Leben zu erwecken. Neben den etwas unbekannteren Schauspielern Mena Massoud (Aladdin) und Naomi Scott (Prinzessin Jasmin) glänzt vor allem ein jung-polierter Will Smith als Dschinni in den Hauptrollen.

Die Geschichte ist seit Äonen bekannt. Mehrfach und verschiedentlich adaptiert seit ihren Ursprüngen in der orientalischen Märchensammlung 1001 Nacht, etwa in Opern und diversen Verfilmungen, hält sich diese neue Version fast zu hundert Prozent an die Zeichentrickvorlage aus dem Jahre 1992. Aladdin (Mena Massoud), ein mittelloser Straßendieb mit gutem Herzen, verliebt sich in die schöne Prinzessin Jasmin (Naomi Scott), die Tochter des Sultans von Agrabah. Um ihr Herz zu gewinnen und sie heiraten zu können, geht er einen Handel mit dem Großwesir Dschafar (Marwan Kenzari) ein, der ihn reich machen soll. Dschafar nutzt jedoch Aladdins Fähigkeiten aus, um eine ganz bestimmte Kostbarkeit aus der Höhle der Wunder zu entwenden, nur um ihn dort seinem Schicksal zu überlassen. Der Wunderlampe jedoch selbst habhaft werdend, gelingt es dem gewieften Aladdin, zusammen mit seinen Freunden Abu, dem Affen, dem fliegenden Teppich und natürlich Dschinni (Will Smith), aus der Höhle zu entkommen, um den bösen Dschafar aufzuhalten und die Prinzessin für sich zu gewinnen.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Nun mag man ein wenig skeptisch an die Sache herantreten, wenn es um die Realverfilmung eines so beliebten Zeichentrickklassikers geht. Es ist jedoch denkbar schwer für Filmemacher, eine Adaption von etwas zu schaffen, dass nicht nur schon mal da gewesen ist, sondern sich einer so immensen Bekanntheit erfreut. Jeder kennt (und liebt) die Geschichte um Aladdin und seine Wunderlampe, wie aus dem Disney Zeichentrickfilm von 1992. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Disney sich dazu entschlossen hat, die Story fast identisch zu übernehmen. Man sollte es sich daher besser verkneifen, den Zeichentrick anzusehen, bevor man ins Kino geht. Es besteht die Gefahr eines verfälschten Eindrucks durch dauernde Wiederholungen. Kleinere Veränderungen, wie die etwas zeitgemäßeren Ambitionen der Prinzessin Jasmin selbst Sultan zu werden, stellen eine willkommene Abwechslung dar und wirken im Großen und Ganzen stimmig. Jetzt mag man so viel über Feminismus und Emanzipation sagen, was man möchte, aber den gesellschaftlichen Wandel der Rolle der Frau seit 1992 wird wohl keiner bestreiten können. Einige zur damaligen Zeit veröffentlichten Filme sind mit der heutigen Wahrnehmung der Frau einfach nicht mehr vereinbar und davon bilden Disneyfilme leider keine Ausnahme. So scheint es angemessen, gerade bei einem Kinofilm, der nicht zuletzt auch die ganz jungen Zuschauer in die Vorstellungen locken soll, einige Änderungen vorzunehmen, die einer wünschenswerten Gleichberechtigung gerecht werden. Zumal die „Moral von der Geschicht“ gerade diejenige ist, dass man es unabhängig von der eigenen Herkunft (und dazu zählt zweifelsohne auch das Als-Mädchen-geboren-werden) zu etwas bringen kann, ohne dabei die eigenen Werte über Bord zu werfen. So hat die unvergleichlich schöne Naomi Scott (Power Rangers) die Gelegenheit, nicht nur schmuckes Beiwerk zu sein, sondern in ganz einnehmender Weise eine leidenschaftliche und willensstarke Prinzessin darzustellen, die die Rolle der Frauen stärkt.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Die nächste Veränderung galt der Verteilung der Hauptrollen in dieser Verfilmung. Wo im Zeichentrick noch Aladdin und sein getreuer Side-Kick Abu die fast ausschließlichen Hauptcharaktere waren, gewinnt in diesem neuen Machwerk Prinzessin Jasmin aus den eben genannten Gründen gehörig an Bedeutung. Sie erhält sogar einen ganz eigenen Song: „Speechless“, der eigens für diese neu überarbeitete Rolle kreiert und geschrieben wurde vom La La Land-Duo Benj Pasek and Justin Paul. Aber auch Dschinni, gespielt von einem Will Smith in Höchstform, hat einiges mehr an Screentime dazugewonnen. Nun mag man skeptisch sein, ob diese Besetzung wohl die beste Wahl war. Aufgrund des weniger geglückten Trailers, in welchem ein blauer Will Smith, verjüngt und durchtrainiert durch etwas fragwürdige CGI-Methoden die Hauptrolle spielte, meinte so manch einer diese Frage mit einem klaren „Nein“ beantworten zu können. Dies ist jedoch einer der seltenen Male, in denen ein Trailer dem eigentlichen Film nicht deswegen nicht gerecht wird, weil sich der Trailer als besser herausstellt als der Spielfilm, sondern genau andersherum. Der Trailer, so muss man sagen, sollte lieber in einer Sandhöhle verscharrt werden und in Vergessenheit geraten. Die meiste Zeit ist Will Smith ohnehin in seiner menschlichen Gestalt zu sehen und das eingesetzte CGI wirkt für die Effekte rund um das mächtigste Wesen der Erde entgegen der Erwartungen nicht lächerlich. Schauspielerisch macht der Herr natürlich wie immer was her und packt für diese recht einzigartige Rolle seinen altbekannten Der Prinz von Bel Air-Charme aus – inklusive der Pluderhosen –, bei dem man sich das laute Lachen einfach nicht verkneifen kann. Da fällt es kaum auf, wenn der mittlerweile 51 Winter zählende Mr. Smith auf der Leinwand mit der 37-jährigen und überraschend komödiantisch veranlagten Nasim Pedrad (Dalia) anbandelt. Der ein oder anderen Robin Williams-Fan mag den Gedanken als tröstlich empfinden, dass der einzig wahre Dschinni (Robin Williams lieh seinerzeit im Zeichentrickfilm der Figur seine Stimme) mit dieser Wahl wohl zufrieden gewesen wäre. Etwas negativ fällt die Wahl des leider zu jungen und gutaussehenden Marwan Kenzari für die Rolle des Großwesirs Dschafar auf. Es gelingt einem dadurch nicht so richtig, ihn als den ultimativ bösen Magier wahrzunehmen, dessen Rolle dieser bereits etablierte, dänische Schauspieler verkörpert und die so wichtig ist für einen ausgeglichenen Handlungsstrang ist. Nichtsdestotrotz überzeugt die Umsetzung und die Bildgewalt der Szenen den Zuschauer in jedem Moment. Die altbekannten Songs werden von den Schauspielern zur vollsten Disney-Zufriedenheit gemeistert und lassen das gesamte Publikum mitwippen und –singen. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie sich diese gelöste Stimmung in einem Kinosaal entwickelt und am Ende ein jeder mit einem breiten Lächeln den Saal verlässt. Riesen Spaß für die ganze Familie ist vorprogrammiert!

Fazit: Den Zuschauer erwartet ein bildgewaltiges buntes Spektakel für die ganze Familie! Die zu Unrecht schlechten Kritiken im Vorfeld verfliegen bereits nach einigen Minuten im Sandsturm und auch der letzte wird zugeben müssen, dass hier die Realverfilmung des Zeichentrickklassikers ganz hervorragend umgesetzt wurde. Ein cosmisch-komischer Will Smith als Dschinni mit viel Screentime scheint eben doch das richtige Gewürz für diesen arabischen Traum gewesen zu sein. Ein Film, bei dem man am Ende sehr viel glücklicher wieder herauskommt, als man hineingegangen ist. Welchen Wunsch kann man sonst noch haben?

 

(4,5 / 5)