Virtuoses Testament – 1. Akademiekonzert in der Staatsoper (Kritik)

Große Orchester und pompöse Mahler-Werke: das gehört vorerst der Vergangenheit an. Selbst die größten Bühnen der Welt haben zu kämpfen, größere Orchesterbesetzungen mit den allgemein gültigen Abstandsregelungen unterzubringen. Die Bayerische Staatsoper hat bereits bei Opernaufführungen mit einem erweiterten Orchestergraben dementsprechend dagegen etwas unternommen, nun wandert das Bayerische Staatsorchester für das 1. Akademiekonzert sowieso auf die Hauptbühne. Unter dem Dirigat des designierten Musikdirektors Vladimir Jurowski stehen u.a. zwei Beethoven-Werke auf dem Programm – mit großem Erfolg.

© Wilfried Hösl

Das Nationaltheater ist ein Ort, das für Vladimir Jurowski bald mehr als Gastspielstätte sein wird. Kommende Spielzeit übernimmt er den Posten des Generalmusikdirektors und tritt die Nachfolge von Kirill Petrenko an. Dass er das Bayerische Staatsorchester bestens unter Kontrolle weiß und mit ruhiger Hand die Musiker so dirigiert, dass ihnen aber noch selbst genug Platz zur Klanggestaltung bleibt, beweist er vor allem in der ersten Hälfte, die mit Brett Deans „Testament“ startet. Überraschend sperrig und kleinteilig erweist sich da der Einstieg, denn ein wirkliches Testament wird wohl erst mit Ludwig van Beethovens zweiter Symphonie gebaut, die folgt. Die Nachklänge des äußerst dürftigen Beethoven-Jahres, denn dieses Jubiläum ging in dieser gerade für die Kultur so schweren Zeit definitiv unter. Hoffnungsvoll und aufbauend mutet da schon der erste Satz an, bis zum flotten euphorischen Finale. Was für eine Freude, was für ein klanglich vollmundiges Erlebnis, wieder größer besetzte Orchestermusik zu hören.

Seitdem Pausen ausgetestet wurden und wieder möglich sind, werden diese in der Staatsoper auch fleißig erfolgreich abgehalten. Das entzerrt den Abend insofern, dass die Spannung auf den Höhepunkt, Beethovens Violinkonzert, bestehen bleibt. Als Solist ist Geiger Frank Peter Zimmermann eingeladen, der alsbald virtuos und romantisch die Melodien zum Besten gibt. Im äußerst harmonievollen Einklang mit dem fantastischen Staatsorchester entsteht eine Fusion der musikalischen Elemente, die an Jugendlichkeit und Schönheit nicht mehr strahlen könnte. Es geht nicht nur um Schnelligkeit, sondern eben auch um Gefühl und das Gespür für die ganz großen Klänge bei Beethoven – Zimmermann und Jurowski verstehen das grandios, sodass die folgenden 45 Minuten ein wahrer Ohrenschmaus werden. Das erste große klassische Konzert in der Münchner Staatsoper seit viel zu langer Zeit. Besser hätte es wohl kaum werden können.

Kritik: Ludwig Stadler