Afrika! Afrika! im Deutschen Theater (Kritik)

Seit dem 24. April läuft im Deutschen Theater in München die letzten Vorstellungen des sensationellen Zirkus-Ereignisses Afrika! Afrika! auf seiner Tour 2019 durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Die pure Energie dieser Vorstellung lässt unsere schöne Stadt für einen letzten Abend hell leuchten. Ein Ereignis, das man so schnell nicht vergessen wird.

© Nilz Boehme

Basierend auf der Idee von André Heller, dem Publikum einen Querschnitt der Kultur des größten Kontinents der Welt in der Form eines Zirkus näherzubringen, erwartet das Publikum eine Fülle an verschiedenen Darbietungen, die es mit einem leichten, aber angenehmen Schwindelgefühl zurücklassen. Über furios schnellen West African Dance bis zu nervenaufreibend ruhigen Kunstformen wie der Sanddorn Balance ist alles vertreten. Wunderschön inszeniert von Regisseur und Choreograph George Momboye (Elfenbeinküste) gelingt diese zweistündige Reise in ein Land voller Erstaunenswertem und Wunderbarem mit Auftritten von Künstlern aus allen Ecken Afrikas. Musikalisch untermalt wird die ganze Inszenierung von den fantastischen Sängern Siyakha Unathi Mzekeli (Südafrika) und Tsoakae Adelaid Molipa (Südafrika), einer sechsköpfigen Band und drei Percussionisten, die sowohl Medleys bekannter Songs, wie etwa Pata, Pata, aber auch ganz ursprüngliche afrikanische Trommelmusik spielen.

Gleich zu Beginn werden die Künstler in einem jeweils kurzen Auftritt vorgestellt und man bekommt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was einen erwartet. Der sich anschließende Auftritt der Pyramide Acrobaten (Tansania) hebt die Erwartungen an das Folgende jedoch innerhalb von Augenblicken um ein Vielfaches an. Wenn die Männer der Truppe sich gegenseitig in luftige Höhen katapultieren und einer der Künstler sogar vom Boden über drei Etagen in die Luft gehoben wird, um in einem Handstand über den Köpfen seiner Mitartisten zu landen, stellt sich die berechtige Frage, was der Abend noch alles zu bieten hat, wenn dies erst den Anfang darstellt. Die Antwort ist: eine ganze Menge.

© Nilz Boehme

Und diese Menge ist ziemlich beeindruckend. Da ist einmal die Mannschaft der Dira Dawa Acrobats (Äthiopien) mit ihrem Banquine Act, die ihre zwei jüngsten Mitglieder in atemberaubende Höhen werfen und ein Trapez aus Menschen nachbauen, an welchem diese völlig ungesichert ihr Können zeigen. So stellen sie unter Beweis, dass alle Stoßgebete des Publikums -eine höhere Macht möge diese Kinder bitte vor einem Absturz schützen- völlig unnötig sind. Zum Durchatmen wechseln sich die besonders halsbrecherischen Show Acts raffinierterweise mit anmutigen Darbietungen ab, wie etwa der Dame mit der absoluten Kontrolle über das Röhrenrad oder der Contorsion Künstlerin, die keinerlei Knochen in ihrem Körper zu haben scheint.

Das besondere an dieser Show ist jedoch zweifelsfrei die berüchtigte „Schippe drauf“. Bei jeder der einzelnen Darbietungen gibt es einen Moment, in dem man denkt, dass der Höhepunkt jetzt einfach erreicht sein muss, doch siehe da: es wird noch eine Schippe draufgelegt. Sei es bei der Hand to Hand Einlage, wenn der kleine Junge nach einem Wurf über Kopf, mit den Füßen auf einem Oberarm seines Partners landet, oder wenn der Balance Künstler (Rola Rola) auf sechs in verschiedene Richtungen rollenden Röhren balanciert… die natürlich auf einem Barhocker aufgetürmt sind… der auf einem zwei Meter hohen Podest steht. Am Ende der Show würde es wohl keinen der Zuschauer mehr verwundern, wenn man feststellte, dass sich die ganze Zeit über ein Wasserbecken voller Haie mit Lasern auf den Köpfen unter den Künstlern befunden hat. Nun, so weit geht das ganze dann natürlich doch nicht, aber ähnlich unglaublich ist die Show allemal.

Zu jeder Zeit ist spürbar mit wie viel Hingabe zur Kunst und Liebe zum Detail an dieser Show gearbeitet wurde. Sogar ein in Handarbeit vom Marionettendesigner Michael Curry gezauberter, lebensgroßer Elefant ist Teil des Teams und hat seinen ganz besonderen Auftritt, bevor zum Schluss das gesamte Ensemble mit den jeweiligen Flaggen des Heimatstaates auf die Bühne kommt. Den Beginn aufgreifend bekommen alle Künstler einen letzten Auftritt und hinterlassen einen bleibenden Eindruck der Freude und Ausgelassenheit beim Publikum.

Wie der Ideengeber André Heller bereits einmal treffend feststellte: „Die Show schafft es verlässlich, den Zuschauern ein frohes Herz zu schenken“.

Kritik: Catarina Silva Ruther