No Regrets – Accept & Orchester im Circus Krone (Konzertbericht)

Accept sind eine DER Institutionen des deutschen Hard Rocks und Heavy Metal. Seit nunmehr über 40 Jahren fegen sie von Bühne zu Bühne und machen Nacht für Nacht klar, warum sie dort sind, wo sie stehen. Aus der Metal-Welt ist die Band spätestens seit Hits wie „Fast As A Shark“ oder „Balls To The Wall“ nicht mehr wegzudenken, aber wird das nicht irgendwann langweilig? Für Wacken haben sie sich vor nicht allzu langer Zeit etwas Besonderes einfallen lassen: eine Show mit einem Orchester! Viele haben sich damals schon gefragt, wie die Heavy-Walzen von Accept mit einem Orchester funktionieren sollen, und wurden beim Debüt der Kombination wohl mehr als positiv überrascht. Nun haben die Musiker das Konzept auf die nächste Stufe gehoben und bringen den „Symphonic Terror“ auf Tour, inklusive einem Stopp im Münchner Circus Krone am 27. Mai 2019.

Accept am 14.1.18 in der TonHalle

Kurz nach 20 Uhr gehen im vollbestuhlten Circus Krone Bau die Lichter aus und es ertönt ein orchestrales Intro hinter dem bühnenverdeckenden Vorhang hervor, allerdings nicht vom bereits bereitsitzenden Orchester, sondern aus der Büchse, warum auch immer. Der Vorhang fällt und schon zeigt sich, wie groß die Bühne des Circus Krone eigentlich ist: Links ein großes Orchester und rechts der übliche Accept-Aufbau, lediglich ohne Frontmann. Viele werden erst einmal denken, sie seien im falschen Film, denn was folgt, ist quasi eine Wolf Hoffmann-Solo-Show, der sich eine halbe Stunde lang zu Werken der Klassik mit dem Orchester gegenseitig die Bälle zuspielt, während der Rest der Band deutlich im Hintergrund steht. Ein cooles Konzept, das oftmals an das Trans Siberian Orchestra erinnert in musikalisch makelloser Umsetzung. Auch der Sound ist phänomenal, nur eines fehlt eben noch: Accept-Songs! Die Erleichterung im Publikum ist sichtlich zu spüren, als Mark Tornillo die Bühne betritt und mit „Princess Of The Dawn“ nach 30 Minuten die erste Accept-Nummer orchestral verstärkt aus den Lautsprechern brettert. Kaum jemand hätte ahnen können, wie gut diese zwei Gegenpole zusammen passen. Klar, bei Liedern wie „Stalingrad“ oder „Shadow Soldiers“ konnte man sich im Vorfeld eine Umsetzung mit klassischem Orchester gut vorstellen, aber eigentlich noch spannender sind die Lieder, bei denen das nicht der Fall ist. Entgegen jeglicher Erwartungen überrascht zum Beispiel „Fast As A Shark“ und spätestens zur Endrunde steht der gesamte Circus Krone, der bei den Klassik-Stücken von Beethoven und Mozart lediglich verhaltenes Klatschen zu bieten hatte. Ein weiteres Highlight des Abends ist „Teutonic Terror“, der im Gesamtbild sogar von Umsetzung und Kraft den folgenden Riesenhit „Balls To The Wall“ alt aussehen lässt.

Accept am 14.1.18 in der TonHalle

Alles in allem zeigen Accept mit dieser Tour auf ungewohnte Weise, dass sie musikalisch eine absolute Macht sind. Die Umsetzung hapert allerdings noch ein wenig, seien es die fragwürdigen Kostüme des „Orchestra Of Death“ oder der im Kapuzenmantel versteckte Dirigent, der oftmals wirkt, als hätte er in seinem Leben noch vor keinem Orchester gestanden. Das ist allerdings Meckern auf äußerst hohem Niveau. Das Hauptproblem des Ganzen ist allerdings, dass zwar Accept drauf steht, aber nur die Hälfte vom Inhalt tatsächlich Accept ist. Viele bandeigene Nummern verschwinden aus der Setlist zugunsten von Instrumentalversionen von Klassik-Stücken, und seien wir ehrlich: die meisten der Besucher kommen, um die Musik der Band zu hören. Natürlich ist es spannend, einige Stücke aus längst vergangener Zeit einzubauen, allerdings nicht für ein halbes Set. So besteht der Großteil des Konzerts aus Wolf Hoffmann-Gitarrensolos, die zwar wirklich gut sind, aber nach einer gewissen Zeit einfach nur übertrieben wirken. Abgesehen davon kann man dieses Konzept nur empfehlen, ein wirklich eindrucksvoller Abend, der jedem ans Herz zu legen ist, der mit Heavy Metal etwas anfangen kann.

Setlist: Eine Nacht auf dem kahlen Berge (Modest Mussorgsky) / Scherzo (Ludwig van Beethoven) / Pathétique (Ludwig van Beethoven) / Konzert für zwei Violinen in G-Moll (Antonio Vivaldi) / Symphonie Nr. 40 in G-Moll – K.550 (Wolfgang Amadeus Mozart) / Princess Of The Dawn / Stalingrad / Dark Side Of My Heart / Breaker / Schwanensee (Pyotr Ilyich Tschaikowsky) / Shadow Soldiers / Die Moldau (Bedrich Smetana) / Arabischer Tanz (Pyotr Ilyich Tschaikowsky) / Aragonaise (Georges Bizet) / Metal Heart / No Regrets / Kill The Pain / Fast As A SharkZugaben: Shades Of Death / Teutonic Terror / Balls To The Wall

Bericht: Luka Schwarzlose