Neon Nights – Accept in der TonHalle (Bericht)

Nach der besinnlichen Weihnachtszeit war es im neuen Jahr endlich wieder Zeit für den Lärm! Accept haben sich endlich wieder mit einer Headline-Show in die Landeshauptstadt gewagt, diesmal am 14.01.2018 in die Münchner Tonhalle. Mit „The Rise Of Chaos“ haben die Hard Rocker nicht nur einmal mehr bewiesen, dass sie eines der besten Hard & Heavy-Exportgüter Deutschlands sind, sondern auch eine tolle Tour auf die Beine gestellt. Seit nunmehr 47 Jahren beglücken die Rock-Legenden Fans aus aller Welt, gelten neben den Scorpions als einer der größten Hard-Rock-Bands der Bundesrepublik. Auch die Trennung von Urgestein Udo Dirkschneider hat die Truppe mittlerweile vollends verkraftet und gehen erfolgreich ihren eigenen Weg.

Dieser führt sie am vergangenen Sonntag auch nach München, an den Ostbahnhof, um genau zu sein. Überall lange Haare und viel Leder, doch keiner wusste so recht, wohin. Der Besuch der einstigen Kulturhochburg Münchens gleicht mittlerweile einer Partie „Verrücktes Labyrinth“. Von Konzert zu Konzert ändert sich aufgrund der vielen Bauprojekte um das Kulturzentrum herum ständig der Zugangsweg und bleibt trotz klarer Beschilderung ein echtes Ärgernis. Endlich am Halleneingang angekommen füllt sich die Tonhalle sichtlich schnell.

Um ca. 19:30 Uhr geht dann das Licht aus und Night Demon betreten die Bühne. Die Kalifornier gelten mittlerweile als fester Bestandteil der Oldschool- und NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal) Szene und haben sich vom unscheinbaren Newcomer und Geheimtipp in kürzester Zeit zu einem Must-See-Act gemausert. Stolze 45 Minuten dürfen die drei Musiker das beste ihrer bisher zwei Alben heraus feuern. Anfänglich weiß das Publikum noch nicht so recht, wohin mit der Band, doch nach und nach werden die Stimmen im Publikum lauter. Eine Vorband, die die wenigsten auf dem Zettel hatten, liefert einen soliden Auftritt ab und räumt unter anderem mit einer kurzen Hommage an den kürzlich verstorbenen Fast Eddie Clarke, Gründungsmitglied von Motörhead, Phil „Animal“ Taylor und natürlich Lemmy Kilmister gut ab. Selbst die technischen Schwierigkeiten gegen Ende des Sets werden souverän überspielt und tun der Stimmung keinen Abbruch. Einziges Manko war die doch etwas heisere Stimme ihres Frontmannes, der sich offensichtlich ein wenig erkaltet hatte – aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Setlist: Welcome To The Night / Full Spead Ahead / Maiden Hell / Curse Of The Damned / Hallowed Ground / Ritual / Heavy Metal Heat / Overkill (Motörhead Cover) / Dawn Rider / Black Widow / Screams In The Night / The Chalice / Night Demon

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Nach einer etwas längeren Umbaupause ist des dann soweit: Accept starten ihr Hard-Rock-Bombardement. „Flying V“-Gitarren, ein riesiges Schlagzeug-Rack, gekrönt mit dem typischen Gong und eine sehr coole Bühnenproduktion, ein zweistündiges Set der Extraklasse. Ein guter Mix aus Alt und Neu, von „Restless And Wild“ bis hin zu „The Rise of Chaos“, an der Setlist gab es wenig bis nichts auszusetzen. Der Sound und die Tonhalle sind nicht immer Freunde und oft scheiden sich hier die Geister, doch an diesem Abend lief es. Sichtlich gut gelaunt kommt ein Mitsing-Kracher nach dem anderen, ein grandioses Solo jagt das nächste und die Stimmung ist mehr als gut.

Leider war der Sound im hinteren Teil der Halle nicht ansatzweise so gut wie etwas weiter vorne, aber auch hier wären wir wieder in der Rubrik „Meckern auf hohem Niveau“. Einen Griff ins Klo müssen sich Accept allerdings gegen Mitte des Sets eingestehen. Wolf Hoffmann brilliert den gesamten Abend über mit tollen Solo-Einlagen und einem quasi fehlerfreien Gitarrenspiel und ausgerechnet bei seinem Einzel-Solo verlässt er die Komfortzone und setzt auf eine mehr als riskante Loop-Einlage. Eine an sich tolle Idee, leider eher schlecht in der Umsetzung. Für diejenigen, die sich nicht sicher sind, was hier vor sich gegangen ist, eine kurze Erklärung: Ein Loop-Effekt zeichnet auf Knopfdruck das Gitarrenspiel auf und wiederholt es anschließend in Endlosschleife. Bei Hoffmann’s Solo gab es drei Loops übereinander, die alle nicht so recht zusammengepasst haben. Große Problematik ist, verspielt man sich bei dem Ganzen nur einmal, ist das ganze Solo in Gefahr. Hoffentlich war das kein Vorgeschmack auf das kommende Solo-Album.

Langsam aber sicher holen Accept die Klassiker raus. Spätestens bei „Princess Of The Dawn“ singt jeder mit und das ist auch notwendig, denn die sonst zuverlässige und kraftvolle Stimme von Mark Tonillo scheint nicht so ganz da zu sein. Den Abschluss macht ein Hit-Kreuzfeuer mit Hymnen wie „Fast As A Shark“ und zum krönenden Abschluss „Balls To The Wall“.

Setlist: Die By The Sword / Stalingrad / Restless And Wild / London Leatherboys / Breaker / The Rise Of Chaos / Koolaid / No Regrets / Analog Man / The Final Journey / Shadow Soldiers / Neon Nights / Princess Of The Dawn / Midnight Mover / Up To The Limit / Objection Overruled / Pandemic / Fast As A SharkZugabe: Metal Heart / Teutonic Terror / Balls To The Wall

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Alles in allem ein absolut sehenswerter Auftritt, denn Accept haben es immer noch drauf! Ein tolles Package, ein gelungener Abend, ein angenehmes Publikum und alles, was das Hard-Rock- und Heavy Metal-Herz begehrt.