8Below Bergfest, 26.10.17 – Killing Age; Empyreal; We Too, Will Fade

Vorwort:

Das 8Below Bergfest ist eine wöchentliche Konzertreihe, die 2009 ins Leben gerufen wurde und seither jungen und lokalen Bands sowie musikalischen Künstlern aller Genres, vorrangig aus München, eine Möglichkeit gibt, sich zu präsentieren. In der Underground-Szene hat sich das Bergfest in den letzten acht Jahren mit konstant besser werdendem Sound, Equipment und Team langsam aber sicher zu einer Institution für das Kennenlernen neuer Bands mit viel wiederkehrendem und unabhängigem Publikum manifestiert. Was genau dort jede Woche so abgeht, möchte ich in der Rubrik „Undergrounded“ festhalten. Shows sind jeden Donnerstag um 20:30 in der Schützenstraße 8, direkt am Hauptbahnhof!

Hmm? Autor: Nikolas Masin? Jau, heute übernehme einmal ich – vielleicht kennt mich ja der ein oder andere aus der Filmkritik. Jakob steht heute nämlich selbst auf der Bühne und ist daher verhindert. Endlich die Gelegenheit, auch einmal über ihn herzuziehen! Ein wenig Peil von Musik habe ich zum Glück auch noch. Nur, wie ihr mich kennt, wird es diesmal ausnahmsweise stocksteif humorlos. Aber keine Angst: ab nächster Woche wieder ganz regulär mit zahlreichen Querverweisen zur amerikanischen Popkultur. 😉

We Too, Will Fade

Genauso ungeduldig wie die Besucher des um 21 Uhr bereits ungewöhnlich vollen 8-Below scheint auch der hüpfende Bassist vor Gig-Beginn. Doch schon bald geht es los mit einem kurzen, energiegeladenen Intro-Stück: Wahrlich nichts besonderes, aber man wollte wohl die noch kleine Setlist etwas stretchen. Außerdem wird sofort klargestellt, um welche Musik es sich hierbei eigentlich handelt: Melodic-/Post-Hardcore mit einer extra Portion Zwiebeln vor den Augen. Aber im guten Sinne! Vor allem die beiden Bandmitglieder Drummer Giovanni und Gitarrist Shi (el resto stellen v.a. die Live-Verstärkung dar) gehen völlig auf im interessanten Mix zwischen gefühlvollen Melancho-Passagen (bei welchen sie sich im ekstatischen Übergang zu einer anderen Dimension zu befinden scheinen) und brettharten Metalcore-Breakdowns. Das erzeugte Wechselbad der Gefühle und die damit einhergehende Energie springt damit auch schnell auf den Betrachter über. Man verliert sich beinahe selbst in der Musik.

Die anderen Mitstreiter von We Too, Will Fade machen ihren Job ebenfalls sehr passabel – alle spielen technisch versiert und hüpfen, offensichtlich vor Spaß am live performen, wie wild herum. Sänger Jakob setzt dabei auf genre-typische, seelen-gequälte Schrei-Shouts a la „Being As An Ocean“ und wenigen Clean-Gesang Einstreuungen – sehr homogen zur Musik. Überhaupt ist das ganze Band-Konzept sehr stimmig ausgearbeitet, bietet aber trotzdem innerhalb der Genre-Konventionen große Diversität. Vielleicht aber auch zu ungegliederte Song-Strukturen, was den gemeinsamen Prog-Hintergrund der Songwriter unüberhörbar macht. Das passt zwar gut zur erwünschten träumerisch-verlorenen Atmosphäre, verhindert aber gleichzeitig auch jeglichen Durchblick für den Konzertbesucher. Allgemein würde man sich außerdem ein wenig mehr spezielle, eigene Kniffe in der Musik wünschen. Das ist aber meckern auf hohem Niveau, denn die Jungs liefern wirklich professionelle und intensive Mucke ab. Ein grandioser Einstieg für den Abend!

Empyreal

Schon als man die Flying V Gitarre des Gitarristen erspäht, wird klar: Musikalisch gibt es erst mal direkt eine 180 Grad Wendung. Ab jetzt ist Blackened Death Metal angesagt! Wobei die Instrumentalisten mit durchgehendem Akkord-Geschramme v.a. den Black-Metal-Part übernehmen und der Corpsegrinder-Replikant mit gekonnten, zerstörenden Growls den Death-Metal einwirft. Das ist durchaus eine frische Abwechslung zum Vorprogramm. Spätestens wenn der zweite gefühlt 10-minütige Song vorüber ist, wird es dann allerdings doch ein wenig monoton. Da hätte etwas mehr Riff-technische Differenzierung und Finesse durchaus gut getan – aber muss ja auch nicht. Und wie man schon am Auftreten der Truppe merkt: Sie geben sowieso keinen Fuck. Sie stehen auf der Bühne, weil es Spaß macht und wollen einfach nur ein wenig Gaudi mit dem Publikum. So ist jede Ansage des Sängers (welche jedes mal Bier als zentrales Thema aufweist) wirklich witzig gehalten und verbreitet schnell gute Laune.

Technisch gesehen stehen aber trotzdem durchaus höchst meisterhafte Einzelmusiker auf der Bühne: Die Handgelenke der Gitarristen befinden sich auf James Hetfield-Niveau im Downstroke-Lichtgeschwindigkeit-Territorium und der Drummer scheint vom unaufhaltbaren Gekloppe kein wenig müde zu werden. Besonders heraus gestochen sind die Soli, welche nicht typisch technisches, nichtssagendes Gefrickel darstellen, sondern schön ausgearbeitete, eingängige Melodien. Auch einige Intro-Riffs haben einen sehr interessanten Touch, werden aber leider viel zu schnell durch erneute Black-Metal-16tel abgelöst, bevor sie sich auch nur ansatzweise entfalten können. Nicht so der (eigentlich) letzte Song der Band: Durchgehend wunderbare Rhythmiken mit genau der richtigen dramaturgischen Abwechslung sorgen gegen Schluss noch für einen echten Knaller. Auch eine Halb-Ballade innerhalb der Setlist sorgte für ein wenig Abwechslung, was dem Gesamtbild auf jeden Fall gut getan hat. Zusammengefasst: Wer auf 45 Minuten pure Zerstörung steht, wird hier sicherlich gut bedient werden.

Killing Age

Knallhart geht es auch mit dieser Truppe weiter. Diesmal aber eher in den Gefilden des Groove Metal. Schnell wird man erinnert an Genre-Helden wie Pantera oder auch Machine Head (da der Gitarrist passenderweise auch ein T-Shirt von Letzteren trägt, sind die Einflüsse nicht einmal schwer auszumachen). Bei so viel Groove kann man einfach nicht anders als mitzunicken und schnell entsteht der erste richtige Moshpit des Abends. Killing Age reißen das gesamte Publikum in Sekundenschnelle mit – vollkommen gerechtfertigt: Die Songs sind dermaßen durchdacht aufgezogen – ein gutes Gefühl für sinnvolle Strukturen wird schnell ersichtlich. Das Riffing bringt jeden Groove-Meter zum platzen und wechselt von schweren Akkord-Brechern, über funky Disharmonien bis hin zu schnellem Shredding alles durch. Immer nur so lange wie nötig und alles unfassbar catchy gehalten. Langweilig wird einem dabei zu keiner Sekunde. Die Drums akzentuieren das Geschehen eindrucksvoll und ebenfalls sehr abwechslungsreich.

Gesanglich befindet sich der Frontmann außerdem auf einem ähnlich gehobenem Niveau – mit einer Stimme irgendwo zwischen Robert Flynn und Randy Blythe. Allerdings wäre hier auch der einzige Kritikpunkt anzubringen: Die Ansagen zwischen den Songs waren sehr schwer verständlich und wirkten viel zu willkürlich und ungeplant. Teilweise wussten die Musiker auch nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollten und zeigten immer wieder die selben, ungelenken Mooves. Um ein bisschen Spannung reinzubringen, musste der arme Gitarrist sogar während eines Songs ein Bier exen. Bei so einer musikalischen Wucht wie Killing Age fällt das dann aber weniger ins Gewicht und nach ungefähr fünf Zugaben war der wunderbare Abend schließlich leider für beendet erklärt. Und ich hatte soeben eine der besten Underground-Bands live erleben dürfen, die ich je gehört habe. Ein von vorne bis hinten extrem gelungenes 8-Below Bergfest!