Never Enough – Five Finger Death Punch in der Olympiahalle (Konzertbericht)

Man kommt nicht drumherum, irgendwie mit Orkan Sabine einzusteigen, denn sie ist es, die bereits für Massenhysterie im Voraus sorgt. Ohne Frage, gegen Mittag an diesem Montag, 10. Februar 2020, geht faktisch die Welt unter, so sehr wütet es draußen, aber am Abend ist es relativ windstill und die Anreise zur Olympiahalle gelingt problemlos. Dort wiederum stehen alle Zeichen auf Sturm, aber indoor und ohne Verletzungsgefahr, denn Five Finger Death Punch besuchen nach rund 2,5 Jahren wieder einmal die europäischen Gefilde. Gemeinsam mit den Thrash-Legenden von Megadeth und den Metal-Newcomern Bad Wolves ist ein abwechslungsreiches Package geboten. Vielleicht sogar etwas zu abwechslungsreich.

Bad Wolves am 15.10.18 in der TonHalle

Aber von Anfang an: Bad Wolves, amerikanische Durchstarter-Metal-Band und nicht zuletzt für ihr Cover von „Zombie“ von The Cranberries weltbekannt geworden, starten bequem um 18:50 Uhr, also 10 Minuten vor Beginn. Das ermöglicht ihnen, zwei Stücke mehr in die Setlist zu nehmen und in den Ansagen nicht ganz so zu hetzten – wie auch 2018 vor Three Days Grace, wie wir berichteten. Im Gegensatz zu ihrem damaligen Auftritt haben sich die Musiker allerdings arg verbessert, insbesondere Frontmann Tommy Vext verzichtet auf das unnötige Playback und macht das, was er eben wirklich gut kann: singen. Mit viel Passion gibt es einen wilden Mix aus ruhig und aufbrausend, endend im – wie soll es anders sein – „Zombie“-Cover. Im Dezember sind sie zurück in München, wie Vext ankündigt.

Setlist: No Messiah / Learn To Live / Remember When / No Masters / Killing Me Slowly / Sober / I’ll Be There / Zombie (The Cranberries cover)

Deutlich ruppiger geht es da schon bei Megadeth zu, die pünktlich um 20 Uhr die Lichter erlischen lassen und mit „Hangar 18“ in die Vollen gehen. Überraschend, dass die Band überhaupt die Auftritte spielen kann, ist doch erst im vergangenen Jahr bekannt geworden, dass Gitarrist, Frontmann und Gesicht der Band Dave Mustaine, an Kehlkopfkrebs erkrankte. Ende Oktober dann die erlösende Nachricht: der Krebs ist besiegt, Mustaine genest. Ein Wunder, dass er nun schon auf der Bühne steht und eine knappe Stunde Best-Of seiner Diskografie zum Besten gibt, aber die Fans, sagt er, seien es eben, die ihm geholfen haben, wieder vollends zu genesen. So ganz fit sieht er dabei noch nicht aus, kämpft sich aber tapfer gesanglich (weniger erfolgreich) und spielerisch (sehr erfolgreich) durch seine zehn Songs von „Dystopia“ bis „Symphony Of Destruction“. Seine Band unterstützt ihn da bestens, der Sound tut sein Übriges, und so vergeht die Zeit in Windeseile. Einzig die etwas eigenartigen und fast schon mystischen LED-Bildchen hätte man sich sparen können.

Setlist: Hangar 18 / The Threat Is Real / Sweating Bullets / Conquer Or Die! / Trust / Wake Up Dead / Dystopia / Symphony Of Destruction / Peace Sells – Zugabe: Holy Wars… The Punishment Due

Wie stark der musikalische Kontrast dann aber doch ist, wird klar, als „Lift Me Up“ durch die Boxen wummert – und wie! Five Finger Death Punch sind noch nie dafür bekannt gewesen, eine zimperliche Band zu sein, aber diese knackigen Gitarren und wuchtigen Beats verwundern dann doch etwas – so präsentiert sich eine Metal-Band, die es an diesem Abend wahrlich wissen will. Sänger Ivan Moody nimmt sich das wohl auch als Motto, denn er interagiert fleißig, hüpft motiviert über die Bühne und trommelt wie ein Verrückter mit seinem Baseball-Schläger auf sein Podest ein. „I Hate Me 2“ steht auf seinem Trikot gegen Ende und ist wohl ein augenzwinkernder Kommentar auf die unzähligen negativen Schlagzeilen der letzten Jahre. Davon ist zum Glück nichts zu spüren, die Musiker präsentieren sich eingespielt, tight und tatsächlich spielfreudig. Vom doch recht lahmen Publikum ist das allerdings nicht zu behaupten – am Vortag bei Slipknot sah die Stimmung in der Olympiahalle noch ganz anders aus.

An der Band liegt das explizit nicht. Im Gegenteil: erstmals durchbrechen sie ihre maßlos zu kurzen Auftritte und machen mit satten 90 Minuten die Headliner-würdige Spielzeit voll. Ihr Bühnenbild, präsent mit einem riesigen Totenkopf und zwei überdimensionalen Baseball-Schlägern in X-Form, macht dabei einiges her, auch mit Feuer sparen die Amerikaner nicht, aber bei Liedern wie „Burn It Down“ und „Burn MF“ ist das ja fast schon Pflichtprogramm. Natürlich, es ist teilweise arg klischeehaft, was die Musiker da auf der Bühne tun, und ja, weder Text noch Musik sind der Quell größter Kreativität. Aber all das ist überhaupt nicht der Anspruch des Publikums, der Anspruch der Band oder überhaupt der Anspruch von Liebhabern dieser Musik. Es soll einfach ordentlich knallen und Spaß machen, für eineinhalb Stunden einfach mal headbangen und eingängige Melodien mitgrölen, dafür kommen die Leute, damit werden Arenen bespielt. Ob sie es in den nächsten Jahren schaffen, eigenständig solche Größenordnungen wie die Olympiahalle zu füllen, entscheidet wohl auch maßgeblich ihr am 20. Februar 2020 kommendes Album „F8“. Bis dahin bleibt ein starker Auftritt in München, der die massive Verbesserung der Band im Vergleich zu 2015 zeigt, als sie noch lieblos ihr Set im Zenith runtergerotzt haben. Bitte auf dem Level bleiben – und genau so bald wiederkommen!

Setlist: Lift Me Up / Trouble / Wash It All Away / Jekyll & Hyde / Sham Pain / Bad Company (Bad Company cover) / Burn It Down / Got Your Six / Wrong Side Of Heaven/Far From Home (A Capella) / Battle Born / Blue On Black (Kenny Wayne Shepherd cover) / Coming Down / Never Enough / Burn MFZugaben: Inside Out / Under And Over It / The Bleeding

Bericht: Ludwig Stadler